Literatur-Nachrichten

Im Juli geht's endlich los!

London ist immer eine Reise wert – und ganz besonders, wenn die Metropole vom 27. Juli bis zum 12. August die Olympischen Spiele ausrichtet. England-Experte Holger Ehling stellt neue Stadtführer und Reisebücher vor, die den den Weg durch den Großstadtdschungel und die jahrhundertealte Geschichte weisen.

London, Britanniens prächtige Hauptstadt, ist in diesem Jahr in Feierstimmung. Zunächst galt es, das 60. Thronjubiläum Ihrer Majestät Elisabeth II. mit gebührendem Pomp zu begehen. Im Sommer folgen die Olympischen Spiele; bereits zum dritten Mal finden sie in diesem wohl sportverrücktesten Land Europas statt. Solche Anlässe rücken Städte stets verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und locken Touristen in großer Zahl an – im Fall Londons kann man sich allerdings kaum vorstellen, wie die Stadt noch mehr Zulauf bekommen könnte, als sie ohnehin schon hat.

Wenn wir über die Stadt an der Themse sprechen, sprechen wir nicht nur über die größte Stadt Europas – in der Metropolregion leben, je nach Zählung, zwischen sieben und zwölf Millionen Menschen. Wir sprechen über einen Ort, der seit Jahrhunderten die Reisenden anzieht mit seinem Reichtum an Kultur und Unterhaltung, Business und Sinn für Neues. Heinrich Heine schrieb über seinen ersten Aufenthalt: „Ich habe das Merkwürdigste gesehen, was die Welt dem staunenden Geiste zeigen kann, ich habe es gesehen und staune noch immer … Schickt einen Philosophen nach London ... und stellt ihn an eine Ecke von Cheapside, er wird hier mehr lernen, als aus allen Büchern der letzten Leipziger Messe.“

Nun beschäftigen sich beileibe nicht alle aktuellen Bücher mit London, aber die beiden Großereignisse haben doch viele Verlage zu Anstrengungen motiviert, um den Reisenden mit verlässlichen Hilfen für unterwegs auszustatten. Kurz, knapp und übersichtlich zeigt sich dabei der „City Guide London“ von Hans-Günter Semsek, der den Leser auf einen Rundgang durch die Innenstadt mitnimmt sowie auf zwei ausgedehnte Ausflüge, die auch in einige Außenbezirke führen. Nützlich dabei ist die herausnehmbare Innenstadtkarte; leider sind aber im U-Bahn-Plan die neu ausgebauten „Overground“-Verbindungen, die insbesondere den Weg in die östlichen Bezirke der Riesenstadt erheblich vereinfacht haben, nicht deutlich erkennbar. Kurz gehaltene Tipps für Essen, Trinken, Shopping und Kultur runden das Büchlein ab, das insgesamt ein nützlicher Begleiter ist.

Deutlich ambitionierter (und mit aktueller U-Bahn-Karte) kommt „101 London – Geheimtipps und Top-Ziele“ daher. Die Informationen zu den einzelnen Zielen glänzen durch Kenntnisreichtum; mit diesem Buch lernt der Reisende viele Gegenden Londons kennen, die in den gängigen Reiseführern gern ausgelassen werden, und er erfährt auf lockere Weise sehr viel über Geschichte und Alltag. Insgesamt ein Buch, das Vorbildcharakter hat.

Fast komplett auf die touristischen Trampelpfade konzentriert sich Sabine Lindlbauer in ihrem „ADAC Reiseführer London“, wobei sie es allerdings schafft, auch in den scheinbar altbekannten Bezirken kleine Schätze aufzutun, die den meisten Reisenden verborgen bleiben. Die Informationen sind knapp, aber ausreichend, die Touren, die man sich anhand des Buchs zusammenstellen kann, sind anspruchsvoll, aber auch für den Nicht-Sportler zu bewältigen. Warum aber ausgerechnet in einem vom ADAC verlegten Reiseführer das – im weit östlich gelegenen Stadtteil Stratford angesiedelte  – Olympiagelände in dem Kapitel „Norden“ auftaucht, ist mir schleierhaft.

Mit Kindern in eine Riesenstadt wie London zu reisen kann sich zu einem veritablen Albtraum auswachsen – was tun mit den lieben Kleinen, die sich wohl nur selten dafür begeistern können, stundenlang auf Sightseeing zu gehen oder in Museen auszuharren? Da kommt „London: Der cool verrückte Reiseführer“ genau richtig, denn hier wird fetzig und leicht verständlich erklärt, warum alles in dieser Stadt so aussieht, wie es eben aussieht. Zudem fördert das Büchlein einen Aspekt der Londoner Ausstellungslandschaft zutage, den man als Erwachsener leicht übersieht: Überall sind hervorragende Museumspädagogen am Werk, die es verstehen, Geschichte, Technik oder Natur spannend zu erzählen.

Marina Bohlmann-Modersohn stellt – sehr gelungen – in „London. Eine Stadt in Biographien“ die Metropole durch einige ihrer herausragenden Bewohner vor. Heinrich VIII. macht dabei den Anfang, seine Tochter Elisabeth I. ist ebenso dabei wie Georg Friedrich Händel, der ab 1710 hier wirkte. Karl Marx und Winston Churchill stehen für die Politik, Shakespeare, Daniel Defoe, der Erfinder des Robinson Crusoe, Charles Dickens oder Agatha Christie für die Literatur, und selbst Mick Jagger darf nicht fehlen. Rundum vergnüglich zu lesen und ein prima Begleiter für die Reise nach London!

Holger Ehling bereist Großbritannien seit fast 40 Jahren und lebte viele Jahre als Korrespondent in London. Von ihm erschienen zuletzt die beiden Bücher „England, glorious England“ (Ch. Links) und „London fürs Handgepäck“ (Unionsverlag).

Titel

  1. London
    • VerlagVista Point
    • ISBN 978-3-86871-596-5

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  2. 101 London
    • VerlagIwanowski
    • ISBN 978-3-86197-037-8

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  3. ADAC Reiseführer London
    • VerlagADAC
    • ISBN 978-3-89905-970-0

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  4. Für Eltern verboten: London Der cool verrückte Reiseführer
    • VerlagNational Geographic Deutschland
    • ISBN 978-3-86690-264-0

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  5. London. Eine Stadt in Biographien
    • VerlagMerian Porträts
    • ISBN 978-3-8342-1250-4

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