Literatur-Nachrichten

Privates bleibt privat

Im Interviewbuch „Ein Jahr – ein Leben“ zeigt sich Iris Berben von ihrer ­persönlichen Seite. Ihre Gespräche mit dem "Zeit"-Journalisten Christoph Amendt hatten für sie "stellenweise fast etwas Therapeutisches". Wir haben die Schauspielerin in Berlin getroffen.

In Ihrem neuen Buch lüften Sie ein wenig den Vorhang, mit dem Sie sonst Ihre Privatsphäre schützen. Macht Ihnen „Ein Jahr – ein Leben“ nicht doch Lust, Ihr Leben aufzuschreiben?
Iris Berben: Ganz bestimmt nicht! Dieses letzte Stück Privatheit will ich mir nicht nehmen lassen. Durch meine Arbeit, aber auch durch meine politische Haltung stehe ich bisweilen sehr in der Öffentlichkeit, da will ich die wenigen privaten Momente, die es auch noch gibt, für mich behalten.

Wie ist es zu diesem Interview-Buch gekommen?
2009 hat mich Christoph Amend für eine Titelgeschichte des „Zeit-Magazins“ interviewt. Wir sind uns danach immer mal wieder begegnet und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust auf weitere Interviews hätte, aus denen er ein Buch machen würde. Ich stimmte unter der Voraussetzung zu, dass das Projekt auf ein Jahr begrenzt sein müsste.

Sie erzählen von Ihrem Alltag, Ihren Gedanken und Wünschen, Ihrem Leben. Ist diese Art der Selbstreflexion für Sie eine Herausforderung?
Herausforderung trifft es ganz gut, ja. Die Gespräche haben mir aber auch Spaß gemacht, weil ich jemand bin, der gern analysiert. Es war spannend, auf Fragen Antworten zu suchen, aus denen sich neue Fragen ergeben. Es waren intensive Gespräche, die stellenweise fast etwas Therapeutisches ­hatten.

Lassen sich Erinnerungen nicht viel besser in aller Ruhe aufschreiben?
Nicht unbedingt. In der Gesprächssituation ist man konzentrierter und kontinuierlicher in seinen Gedanken. Der Fragesteller lässt im besten Fall nicht locker, fragt nach, führt auch schon mal auf ganz andere Wege und Abzweigungen.

Wann war für Sie der Punkt erreicht, an dem Sie sagten: Bis hierhin und nicht weiter?
Bei all dem, worüber wir nicht geredet haben. Über sehr viel Privates, was sich in meinem Leben abgespielt hat, über viele Gedanken und Reflexionen, über Dinge, die in der Öffentlichkeit nichts verloren haben.

Haben Sie denn Angst, andere durch Ihre Erinnerungen zu verletzen?
Menschen, die mir nahestehen, sollen durch mich auf keinen Fall in die Öffentlichkeit gezwungen werden. Ich will auch nicht darüber reden, mit welchen Schauspielerkollegen oder Regisseuren ich gern oder weniger gern zusammengearbeitet habe.

In Ihrem Buch sprechen Sie auch über das sehr enge Verhältnis zu Ihrer Mutter, die schon lange in Portugal lebt. War dieses Verhältnis immer schon so gut?
Dadurch, dass wir nie miteinander gelebt haben, kann man lange ein gutes Verhältnis pflegen (lacht). Meine Kindheit habe ich vor allem bei meinen Großeltern und auf Internaten verbracht, das bedeutet aber nicht, dass ich zu meiner Mutter keine Nähe hatte. Unsere Nähe hat auch mit der Lebensform meiner Mutter zu tun, die eine sehr kluge Frau ist und die ihr Leben schon sehr eigenständig geführt hat zu einer Zeit, als dies so nicht üblich war.

Kann man sich daran gewöhnen, eine öffentliche Person zu sein, die überall erkannt wird?
Wir Schauspieler machen Filme, damit ein Publikum sie sieht, was bedeutet, dass man im besten Fall auch erkannt wird. Diese Tatsache sollte für einen keine Last sein. Ich für meinen Teil versuche, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und zu kontrollieren, welche Informationen an die Öffentlichkeit kommen. Ich setze mich nicht gern freiwillig ins Schaufenster.

Sie sind ein Mensch, der neugierig ist und sich sehr bewusst mit dem, was er tut, auseinandersetzt – ein Vorteil in Ihrem Beruf?
Neugierde, Hinterfragen, Analysieren, Über-Grenzen-Gehen: Das interessiert mich und das bringe ich natürlich auch in meinen Beruf ein – eine sehr schöne und luxuriöse Situation, wie ich finde.  

Wie sind Sie überhaupt zur Schauspielerei gekommen?
Das war ein absoluter Zufall, wie in „Sterntaler“ habe ich das Röckchen aufgehalten. Ich habe damals weder die Lust verspürt, das zu machen, noch habe ich eine Schauspielschule besucht. Eigentlich wollte ich Jura studieren.

Mussten Sie sich in Ihrer Karriere denn jemals durchbeißen?
Oh ja, es war beileibe nicht so, dass mir die Rollen immer in den Schoß gefallen wären. Erst in den vergangenen 20 Jahren ist die Vielfalt und Komplexität der Rollen, die ich spielen durfte, ungeheuer gewachsen.

Sie stehen ständig vor der Kamera, machen esungen, sind Präsidentin der Deutschen Filmakademie, engagieren sich für Israel und gegen Antisemitismus, und, und, und. Dieses Pensum schafft man nur mit großer Disziplin ...
… die ich mir mühsam antrainiert habe, weil ich weiß, dass es nicht anders geht. Wer sich über eine so lange Zeit in diesem Geschäft halten will, muss diese Disziplin einfach aufbringen.

Sie haben in „Zwei himmlische Töchter“ und „Sketchup“ gespielt und sind seit 1994 die Kommissarin Rosa Roth. Hatten Sie nie Angst, in einer bestimmten Schublade zu landen?
Natürlich hatte ich die – andererseits war ich auch schon in fast jeder Schublade, die es überhaupt gibt. Glücklicherweise wurde mir das immer bewusst und ich bin deshalb auch immer ausgebrochen. Mit „Sketchup“ machten wir auf der Höhe des Erfolgs Schluss – eine ganz bewusste Entscheidung.

Und deshalb ist nächstes Jahr auch Schluss mit Rosa Roth?
Ja. Der Entschluss ist bei mir in diesem Jahr gereift – ob es der richtige Zeitpunkt ist, weiß man natürlich erst hinterher. Auf die 20 Jahre mit dieser Figur blicke ich aber in jedem Fall gern und mit sehr guten Gefühlen zurück.

Interview: Eckart Baier

Kommentar schreiben

Wie in Foren üblich werden sexistische Äußerungen, persönliche Beleidigungen, Drohungen, Diskriminierungen, antisemitische und rassistische Aussagen und jede Art von strafbaren Äußerungen entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und in freundlichem Ton. Netiquette
Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

Ihr Kommentar

(E-Mail wird nicht veröffentlicht)

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.

* Pflichtfeld