Literatur-Nachrichten

Familie in Trümmern

Ein Familienroman, bei dem einem Hören und Sehen vergeht: Peter Buwalds "Bonita Avenue" ist mitreißend, spannend, erschütternd - ein furioses Lesevergnügen, wie wir finden. Außerdem legen wir Ihnen Bethan Roberts "Der Liebhaber meines Mannes" und Natasa Dragnics Schmöker "Immer wieder das Meer" ans Herz.

Peter Buwalda: „Bonita Avenue“ (Rowohlt)
Dass Familienromane oft kein gutes Ende nehmen, wissen wir spätestens seit den „Buddenbrooks“. Einen so bösen Verlauf wie in „Bonita Avenue“ hat das Genre, das schon seit Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt, jedoch wohl noch nie genommen. Siem Sigerius, bulliger Mathematiker, Wissenschaftsminister und früherer ­Judo-Champion, lebt in scheinbar gepflegten Patchwork-Verhältnissen: mit seiner zweiten Ehefrau und deren beiden wohlgeratenen Adoptivtöchtern. Doch dann gerät das schöne Arrangement ins Rutschen: Siems missratener, gewalttätiger Sohn aus erster Ehe mischt sich in sein Leben ein, zudem stößt  Siem bei seinen nächtlichen Ausflügen in Pornogefilde im Internet auf eine Seite, wo sich seine Adoptivtochter virtuellen Freiern feilbietet. Der Niederländer Peter Buwalda hat einen fulminanten, brillant komponierten und gleichzeitig spannenden Debütroman geschrieben. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, bei der dem Leser Hören und Sehen vergeht. Fassungslos blickt man am Ende auf die Trümmer einer Familie, die in die Luft geflogen ist wie die Feuerwerksfabrik, deren Explosion den symbolischen Startschuss dieses Romans gegeben hat. Eckart Baier

Bethan Roberts: „Der Liebhaber meines Mannes“ (Kunstmann)
Marion, dass sie keinen anderen Mann als Tom will. Als ihr Traum später wahr wird, erweist er sich als Albtraum: Ihr Ehemann liebt einen Mann – Patrick. Marion ist nur die Alibi­frau. Wir befinden uns im England der 1950er und -60er Jahre. Das Leben für Männer, die „comme ça“ sind, gestaltet sich schwierig, da Homosexualität noch strafbar ist. Schwule müssen Angst haben, geoutet zu werden. Nicht selten werden sie erpresst oder begehen Suizid. Als Patrick für ein paar Tage mit Tom nach Venedig reist, sieht Marion rot. Die tief Verletzte verrät Patrick, der daraufhin im Gefängnis landet. 40 Jahre später übt sie eine besondere Form der Wiedergutmachung. Die problematische Dreiecksbeziehung setzt Bethan Roberts intensiv und aufwühlend in Szene. Ihre Sympathie für die drei Hauptpersonen überträgt sich schnell auf den Leser. Verena Hoenig

Nataša Dragnic: „Immer wieder das Meer“.  DVA
Piombino, Florenz, Elba, München, San Francisco – „Immer wieder das Meer“ spielt an vielen Orten und spannt zeitlich einen Bogen von den 1980er Jahren bis in unsere Gegenwart. Roberta, Lucia und Nannina, drei Töchter eines deutsch-italienischen Paa-res, gehen nach einer sorglosen Kindheit eigene Wege. Was sie verbindet, ist der Dichter Alessandro Lang. In ihn haben sich die Schwestern der Reihe nach verliebt, er beschäftigt sie rund um den Globus und bestimmt über Jahrzehnte hinweg maßgeblich das Familienschicksal, das mehrere dramatische Wendungen nimmt. NataŠa Dragnic, die 2011 mit „Jeder Tag, jede Stunde“ einen Überraschungserfolg landete, setzt in ihrem zweiten Roman Liebe und Hass, Tod und Geburt, Sehnsucht und Verzweiflung, Trauer und Glück zu einer erneut bestsellerverdächtigen Mischung zusammen. Dabei übersteigt der Unterhaltungswert den Erschütterungsgrad um Längen. Beate Tröger

Titel

  1. Bonita Avenue
    • VerlagRowohlt
    • Preis 24,95 €
    • ISBN 978-3-498-00672-3

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  2. Der Liebhaber meines Mannes
    • VerlagKunstmann, A
    • Preis 19,95 €
    • ISBN 978-3-88897-816-6

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  3. Immer wieder das Meer
    • VerlagDVA
    • Preis 19,99 €
    • ISBN 978-3-421-04582-9

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1 Kommentar/e

1. Boris Schneider 08.05.2013 20:12h http://hundefuttertests.de/ 
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Bei Bonita Avenue scheint es sich um ein wirklich gutes Buch zu handeln. Die Handlung klingt auf jeden Fall mehr als interessant. Ich werde mir das Buch mal bestellen und für die Rezi bedanke ich mich!

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