Literatur-Nachrichten

Zeit zum Flanieren

In einer immer hektischeren Zeit werden Wochenendtrips als ­Auszeit geschätzt und Städtereisen zunehmend ­beliebter. Aktuelle Bücher geben die notwendigen Insider-Tipps.

Neugierig durchwanderte Émile Zola 1894 Rom, entdeckte Armut im Glanz verblasster Zeiten – und frühe Hausbesetzer. Roberto Zapperi erkundet in „Alle Wege führen nach Rom“ (C. H. Beck) die Ewige Stadt mit den Augen der Besucher, von Montaigne bis Sigmund Freud. Klaus Kreiser dagegen bevorzugt in „Istanbul“ (Beck’sche Reihe) die einheimische Perspektive und greift auf lokale Quellen zurück. Er stellt Orte vor, „deren Vorhandensein selbst Anwohner hartnäckig bestreiten werden“.

Die meisten Führer nähern sich jedoch den Städten aus dem Blickwinkel der Gegenwart. Das gilt auch für den Band „Von Bänken und Banken in Frankfurt am Main“ (Gmeiner). Historie wird zur Hintergrundfolie, vor der man Streifzüge durch die City, aber auch in die Natur unternehmen kann.

„Strunzen“ nennt der Frankfurter das Schlendern des Entdeckers, und das kann man auch gut in Basel tun: Mit dem Band „Ein perfektes Wochenende in ... Basel“ (Süddeutsche Zeitung Edition) kann man die Stadt am Rhein durchstreifen, bekommt zahllose Anregungen zu Übernachtungs- und Shoppingmöglichkeiten, Museen, Cafés, Restaurants oder einfach zu schönen Plätzen. Auch Schriftsteller Alain Claude Sulzer erweist sich in „Basel“ (Hoffmann und Campe) als Flaneur, der dem Leser das pulsierende Lebensgefühl einer Grenzregion nahebringt.

Weiter geht’s nach Frankreich: Die Atmosphäre an der Seine vermittelt Hella Broerken in „Paris – Spaziergänge“ (Ullstein) derart lebendig, dass man ihren Tipps unverzüglich nachkommen möchte – und gleich den Fahrplan studiert. Auch ein Abstecher ans Mittelmeer lohnt: Marseille ist 2013 Kulturhauptstadt Europas, und Günter Liehr nähert sich der Hafenstadt ungemein kenntnisreich – sprachlich, historisch wie soziologisch: Wer „Marseille“ (Rotpunktverlag) gelesen hat, darf sich zu Recht als Insider fühlen.

Ein ungewöhnlicher Städteführer ist der Band „Die werden lachen in Teplitz-Schönau!“ (Metroverlag). Erzählerisch durchmisst Anna Lindner 60 K.-u.-k.-Städte, sodass sich die wechselvolle Geschichte des Habsburgerreichs erschließt. Dazu gehört auch das Tor zum Süden, wie Udine genannt wird. In „Udine – Trends, Tajut und Tiepolo“ (Styria) verbindet Oberitalien-Expertin Evelyn Rupperti Informationen zu Sehenswürdigkeiten mit kulinarischen Tipps und Einkaufsmöglichkeiten – das Buch macht Lust auf einen Wochenendtrip.

Als Kenner erweist sich auch Korrespondent Sebastian Moll: Jede Ecke in „New York“ (Picus) scheint er schon besucht zu haben. Und weil letztlich doch alle Wege nach Rom führen, noch der Hinweis auf einen ganz anderen Zugang: Andreas Pehl begleitet die Leser unterhaltsam durch die Musikstadt „Rom“ (Lambert Schneider), sogar mit Hörempfehlungen.

 

Stefan Hauck

Titel

  1. Istanbul
    • VerlagBeck, C H
    • Preis 24,90 €
    • ISBN 978-3-406-59063-4

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  2. Alle Wege führen nach Rom
    • VerlagBeck, C H
    • Preis 19,95 €
    • ISBN 978-3-406-64451-1

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  3. Rom
    • VerlagLambert Schneider
    • Preis 19,90 €
    • ISBN 978-3-650-25346-0

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  4. Von Bänken und Banken in Frankfurt am Main
    • VerlagGmeiner, A
    • Preis 14,99 €
    • ISBN 978-3-8392-1362-9

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  5. Lesereise New York
    • VerlagPicus
    • Preis 14,90 €
    • ISBN 978-3-7117-1030-7

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  6. Udine
    • VerlagStyria Regional
    • Preis 19,99 €
    • ISBN 978-3-7012-0129-7

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  7. Die werden lachen in Teplitz-Schönau!
    • VerlagMetroverlag
    • Preis 19,90 €
    • ISBN 978-3-99300-124-7

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  8. Ein perfektes Wochenende in? Basel
    • VerlagSüddeutsche Zeitung
    • Preis 9,90 €
    • ISBN 978-3-86497-090-0

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  9. Marseille
    • VerlagRotpunktverlag
    • Preis 29,90 €
    • ISBN 978-3-85869-535-2

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  10. Paris-Spaziergänge
    • VerlagUllstein Taschenbuch Verlag
    • Preis 9,99 €
    • ISBN 978-3-548-61146-4

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  11. Basel
    • VerlagHoffmann und Campe
    • Preis 15,00 €
    • ISBN 978-3-455-50252-7

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