Literatur-Nachrichten

Haus zu verkaufen: Rosenweg 3

Von Lisa PelkaDas Efeu wucherte an den Hauswänden hoch und die alten Fensterläden klapperten bei jedem kleinen Windstoß. Die kaputte Regenrinne ließ den strömenden Regen auf das Unkraut im Vorgarten prasseln. Und auch das Holz der morschen Veranda ließ langsam nach. Mit einem riesigen Lärm krachte sie in dieser Gewitternacht ein.

Die Sonne blitzte hier und da zwischen den Ästen der Birke, die vor dem Haus im Carolinenweg 5 stand, hindurch. Das furchtbare Gewitter, dass sich diese Nacht abgespielt hatte, ließ sich nur noch an ein paar übergebliebenen Wasserpfützen erkennen.

Sabrina war ein 12jähriges Mädchen und lebte mit ihren Eltern im Carolinenweg Hausnummer 5. Sie lag die ganze letzte Nacht wach und lauschte dem Donnern des Gewitters. Nun schaute sie aus dem Fenster und war hoch erfreut, als sie die Sonne erblickte. Sabrina sprang aus dem Bett und schlüpfte in ihre Alltagsklamotten, das heißt in Hose, T-Shirt und Pulli. Dann rannte sie nach unten, um zu frühstücken. Sie musste sich eigentlich beeilen, denn schließlich war ja Montag und sie musste zur Schule. Wie immer war sie spät dran.

Doch Mutti steckte gerade den Kopf aus der Küche und verkündete feierlich: „Ihr habt heute schulfrei, Sabrina! Es findet doch den ganzen Tag eine Lehrerkonferenz statt!“ Nun kam Mutti ganz aus der Küche und eilte an Sabrina vorbei.

Nur weil heute schulfrei war, wollte Sabrina natürlich nicht aufs Frühstück verzichten, doch Mutti packte sie am Arm und zog sie ins Wohnzimmer, wo der Computer auf dem Tisch stand. Auf dem Bildschirm sah Sabrina ein Haus. Aber kein normales Haus, wie sie fand. Irgendwie war dieses Haus hier ganz anders, als alles, was Sabrina bisher gesehen hatte.

„Was ist das denn?“, fragte sie erstaunt.

„Das, Sabrina-Schatz, ist unser zukünftiges Haus. Ich weiß, man müsste noch ein bisschen verändern, aber....!“, erklärte Mutti.

Doch Sabrina unterbrach sie: „Man müsste noch ein bisschen sehr viel verändern, nicht wahr?“

„Na, ja.“ Mutti lächelte. „Aber sieht es nicht nett aus?“

Sabrina wog den Kopf hin und her. „Und wer wohnte da vorher?“, fragte sie dann.

„Stell dir vor, die vorige Besitzerin war eine berühmte Schauspielerin namens Augusta Petersmann. Sie hat bis zu ihrem Tod dort, in dem Haus gelebt. Seitdem steht es leider leer. Und schon als sie selbst das Haus gebaut hatte, war es so klapprig wie jetzt, sagt man“, erklärte Mutti und starrte wieder auf den Bildschirm.

„Das ist ja interessant!“, fand Sabrina. „In so einem Haus kann man doch nicht wohnen!“

„Ja, nicht wahr!?“, stimmte auch Mutti zu. „Auf jeden Fall werden wir es wieder richtig auf Pepp bringen und wir werden angenehme und schöne Zeiten dort haben“, beschloss Mutti.

In diesem Moment öffnete sich die Haustür und Vati kam herein. „Ich habe mit dem Immobilienmakler gesprochen und wir könnten uns das Haus jetzt sofort angucken“, erzählte er begeistert.

Sabrina und Mutti waren ebenfalls begeistert und so fuhren alle drei gleich zu dem neuen Haus.

„Da ist jemand drin!“, versicherte Sabrina erschrocken.

Tatsächlich. Plötzlich huschte ein Schatten hinter den geschlossenen Gardinen hin und her.

„Ah!“, kreischte Mutti sofort hysterisch los.

„Keine Sorge, ich werde mir das mal genauer ansehen!“, entschied Sabrina und sprang mit einem Satz, ohne das jemand etwas sagen konnte, aus dem Auto.

So mutig Sabrina auch eben noch wirkte, ging sie jetzt doch mit einem mulmigen Gefühl in die klapprige Bude. Jeder Schritt knarrte und den Füßen des Mädchens, deren Mut gerade auf eine harte Probe gestellt wurde. Vorsichtig ging Sabrina die Treppe rauf und spähte noch vorsichtiger um die Ecke. Ihr Herz blieb für einen kurzen Moment stehen als sie einen Kerzenleuchter mitten durch den Raum schweben sah, direkt auf sie zu. Nun kreischte auch Sabrina: „AHHHHHHH!!!!!“ Und so schnell sie konnte, rannte sie die Treppe runter und huschte schnell durch die Haustür. Für Sabrina stand jetzt nur eines fest: IN DIESEM HAUS SPUKT ES!!!

II

Der Tee tat nach diesem Schrecken sehr gut. Sabrina hatte ihren Eltern schon vom schwebenden Kerzenleuchter und ihrer Vermutung erzählt. Nun biss Sabrina in ein großes, saftiges Stück Lasagne.

„Wir müssen versuchen das Gespenst zu vertreiben! Also mein Plan sieht folgendermaßen aus:.......!“, erzählte Sabrina mit vollem Mund.

Nach dem Abendbrot ging Sabrina ins Bett. Bis zehn Uhr  abends versuchte sie sich fieberhaft auszumalen, ob ihr Plan funktionieren würde.

Am nächsten Morgen musste Sabrina wieder zur Schule.

„Oh mann, bin ich ich aufgeregt!“, dachte sie.

Als die Schulglocke am Schluss der Schule läutete, stürmte Sabrina gleich nach draußen, denn jetzt gleich nach dem Mittagessen würden sie die Geisteraktionen starten. Zum Mittagessen gab es Fischstäbchen mit einem kleinen Salat.

„Fahren wir jetzt endlich los?“, drängelte Sabrina.

„Lass mich noch einmal aufessen, okay?“, bittet Mutti.

Doch wenig später saßen Mutti, Vati und Sabrina im Auto und jeder verspürte Aufregung. Das klapprige Haus sah bei Sonne eigentlich ganz einladend aus. Der silberfarbene Golf parkte  auf der gegenüberliegenden Straßenseite und alle drei stiegen aus. Vati hatte einen extra Turbo-Staubsauger in der Hand, damit er das Gespenst einsaugen konnte.

„Dann wollen wir mal!“, sagte Vati angriffslustig.

Sie überquerten die Straße und gingen in das verfallende Haus rein. Innerhalb von zwei Stunden hatte Vati das Haus von unten bis oben in die Kuppel leergesaugt und keinen Winkel oder Fleck ausgelassen.

„Jetzt haben wir das Gespenst ganz bestimmt!“, hoffte Mutti. Es war früher Nachmittag, als die Müllers, so hieß Sabrina mit Nachnamen, das Haus anfingen wieder aufzubauen. Wie von Zauberhand waren sie um Punkt 18:30 Uhr dann fertig; das Haus sah wirklich aus wie neu.

„Morgen können wir es einrichten, aber jetzt ab nach Hause“, verkündete Mutti.

Auch der nächste Tag war schnell vorüber. Die Müllers haben ihr Haus vollkommen eingerichtet und es sah wunderbar aus. Sabrina war sehr, sehr glücklich. Unten war die Küche, das Esszimmer, wo auf dem Tisch die alte Vase von Uroma Anne stand, und das Wohnzimmer mit einem alten Teppich aus Seide. Im oberen Geschoss war das Schlafzimmer von Mutti und Vati und ein Badezimmer und ganz oben in der ziemlich großen Kuppel, da hat sich Sabrina eingenistet. Das Zimmer war das schönste im ganzen Haus.

Sabrina wachte um Punkt Mitternacht auf und sah plötzlich..... einen weißen Geist.

„Bitte habe keine Angst, ich tue dir nichts“, sagte der Geist mit einem zarten Stimmchen.

Sabrina wäre gerade fast das Herz in die Schlafanzughose gerutscht. Doch sie sagte sich immer wieder: „Ein 12jähriges Mädchen glaubt nicht mehr an Gespenster!“

„Weißt du, Sabrina, ich lebe hier seit über hundert Jahren. Keiner wollte das Haus kaufen. Ich bin übrigens Augusta Petersmann und möchte eigentlich hier wohnen bleiben und meine Ruhe haben. Als ihr im ganzen Haus Staub gesaut habt, hättet ihr mich beinahe erwischt“, klagte das weiße Wesen.

„Oh, das tut mir leid.“ Sabrina dachte einen Moment nach. „Ich hätte da aber eine Idee, wo du jetzt wohnen könntest. Nämlich im Gartenschuppen. Aber dafür störst du uns Hausbewohner nicht mehr, abgemacht?“, schlug Sabrina vor. „Und Du kannst mich hier ja immer besuchen.“

„Abgemacht.“ Augusta nickte.

„Und meine Eltern sollten nicht unbedingt von dir erfahren, okay?“, fügte Sabrina noch hinzu.

„Okay!“, versprach Augusta.

Und schon am nächsten Tag nach der Schule verbrachte Sabrina fast den ganzen Tag im Gartenhaus, richtete es ein und plauderte vergnügt mit ihrer neuen, uralten Freundin.                  

 

ENDE

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