Literatur-Nachrichten

Gefälschte Beweise

Aufwühlend und mitreißend finden wir den skandinavischen Krimi "Jagdhunde" aus der Feder eines ehemaligen Kripobeamten. Außerdem empfehlen wir Ingrid Strobls "Nippes Showdown" mit seinen lockeren Dialogen und vielen skurrilen Typen und Christoph Brookmyres "Die hohe Kunst des Bankraubs", das hart und straff erzählt ist und souverän jongliert mit Schein und Sein.

Jørn Lier Horst: „Jagdhunde“ (Grafit)
Hauptkommissar Wisting ist fassungslos. Ihm wird vorgeworfen, in einer früheren Mordermittlung Beweise manipuliert zu haben. Eine beispiellose Hetzkampagne beginnt. Dabei ist er sich keiner Schuld bewusst. Doch tatsächlich: Die DNA des damals als Mörder verurteilten Mannes wurde manipuliert. Nur ein Kollege kommt als Täter infrage. Wisting muss noch einmal die alten Ermittlungsakten durchwühlen. Unterstützt wird er dabei von seiner Tochter Line, Zeitungsjournalistin und ohnmächtig angesichts der Kampagne, in deren Mittelpunkt ihr Vater steht. Ist Wisting lediglich der Sündenbock? Will ihm da einer ans Leder? Doch dann geschieht ein Mord und erneut verschwindet ein Mädchen. Aufwühlend. Mitreißend. Geschrieben von einem ehemaligen norwegischen Kripobeamten, der gerade die Charts stürmt. 2013 bester skandinavischer Krimi. Aus gutem Grund. Ingrid Müller-Münch

Ingrid Strobl: „Nippes Showdown“ (Emons)
Die Kölner Journalistin, Buddhistin und Kifferin Katja Leichter widmet sich besonders gern Schmuddelthemen, ist mit ehemaligen Junkies und Prostituierten eng befreundet. Sie war Punk, und High Heels kennt sie, wie sie sagt, „nur aus dem Fernsehen“. Gerade arbeitet sie an einem Radio-Feature über Castingshows. Dafür reiht sie sich ein in die zur Auswahl Schlange stehenden Teenies und kann es nicht fassen, mit welcher ­Hysterie sich die Gören aufgemotzt präsentieren, nur um im Fernsehen bloßgestellt zu werden. Doch dann wird die Chefin der Castingshow ermordet. Mal wieder ein typischer Strobl, bei dem das Mi­lieu, die lockeren Dialoge, die flapsigen Bemerkungen und die skurrilen Typen die Hauptrolle spielen. Und nach dessen Lektüre man das Gefühl hat, Einblick in eine fremde Welt bekommen zu haben. Strobl – immer empfehlenswert. Ingrid Müller-Münch

Christopher Brookmyre: „Die hohe Kunst des Bankraubs“ (Galiani)
Der perfekte Banküberfall gilt als Ganoven-Traum. Ausgerechnet fünf Straßenkünstlern mit Clownsmasken gelingt er. Sie spazieren in die Schalterhalle, nehmen Geiseln und legen das System lahm. Und sie inszenieren den Coup als Happening, führen „Warten auf Godot“ auf und spielen ein Gemälde-Raten. Absurd, aber effektiv. „Die hohe Kunst des Bankraubs“ lässt die Polizei dumm dastehen. Das nimmt vor allem Ermittlerin Angelique de Xavia persönlich. Fast zu persönlich, denn der Chef der Bande fasziniert sie auch als Frau. Ein gefährliches Spiel, denn der klügste Verbrecher bleibt ein Verbrecher und eine ­Polizistin eine Polizistin, oder? Brookmyre bannt als Meister der Täuschung und perfekter Dia­loge. Er jongliert souverän mit Schein und Sein, erzählt hart und straff, bringt bei aller Brutalität aber auch Sinnliches unter. Magisch. Petra Mies

Titel

  1. Die hohe Kunst des Bankraubs
    • VerlagGaliani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch
    • Preis 14,99 €
    • ISBN 978-3-86971-077-8

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  2. Nippes Showdown
    • VerlagEmons, H J
    • Preis 9,90 €
    • ISBN 978-3-95451-195-2

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  3. Jagdhunde
    • VerlagGRAFIT
    • Preis 22,99 €
    • ISBN 978-3-89425-670-8

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