Belletristik / Wortwechsel

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Am Ufer

"Nicht als Ermutigung gedacht"

Rafael Chirbes’ Buch „Am Ufer“ erzählt davon, wie die Finanzkrise das Leben der Menschen in Spanien dramatisch verändert. Ein Wirtschaftskrimi von höchster Aktualität – und ein großer Familienroman. Wir haben uns mit dem Autor unterhalten.

In „Am Ufer“ erzählen Sie von den Auswirkungen des Finanzcrashs auf die kleinen Leute. Zeigt die Krise fundamentale Veränderungen im Zusammenleben der Menschen auf?
→ Ich wollte mit dem Buch zeigen, dass nichts außerhalb der ­Geschichte passiert. Ich wollte erzählen, wie sehr die Krise das Leben vieler Menschen verändert hat. Viele haben dadurch ihre Lebensperspektive verloren, ihr Horizont hat sich geschlossen.

Esteban, der Protagonist des Romans, ist Opfer der Krise, vorher allerdings hat er von der Immobilienblase profitiert. Sein Unglück scheint also zum Teil seine eigene Schuld zu sein – sind wir alle selbst verantwortlich?
→ Nein, das ist nicht die Botschaft. Esteban ist ein Gejagter und sein Ehrgeiz war beängstigend. Er ist ein zeitgenössischer Held, ein Mann, der um die Macht zu kämpfen wagte und verloren hat. Man weiß nicht, woran er gescheitert ist – ob es Faulheit, Feigheit oder moralische Skrupel waren.

„Am Ufer“ bietet keine wirkliche Zukunftsperspektive. Ist alles so hoffnungslos, wie es der Roman suggeriert?
→ Das Buch ist nicht als Ermutigung gedacht. Aber wenn jemand durch den Roman erkennt, was eigentlich mit ihm geschehen ist, dann kann das dazu führen, dass er sein Leben neu ausrichtet. Allerdings wäre es eine Lüge, Hoffnungen zu wecken.

Interview: Holger Ehling

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