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Alles, was ich bin

Mit den Augen der Zeitzeugin

Als 19-Jährige lernt Anna Funder die 60 Jahre ältere ehemalige Widerstandskämpferin Ruth Blatt kennen. Mit dem Roman „Alles, was ich bin“ hat sie ihr nun ein Denkmal gesetzt – und all jenen, die für ihre Ideale ihr Leben riskieren.

Es heißt, dass der Schriftsteller und Widerstandskämpfer Ernst Toller auf seinen Reisen stets einen Strick in seinem Koffer mit sich geführt habe. Am 22. Mai 1939 erhängt Toller sich in einem Hotelzimmer in New York. Die Schilderung dieses Entschlusses und dessen Umsetzung ist eine der letzten Szenen des neuen Romans von Anna Funder – eines Buchs, das die Balance hält zwischen sorgfältig recherchierten Fakten und Fiktion, zwischen persönlich Empfundenem und historisch Verbürgtem. In Australien wurde der Roman mehr als 100 000-mal verkauft.

Anna Funder erzählt darin die Geschichte einer Gruppe von Exilanten um den Schriftsteller Toller, allen voran Ruth Blatt (der der Roman gewidmet ist), ihr Mann und ihre Cousine, die 1933 nach London fliehen, um von dort aus den Widerstand gegen Hitler zu organisieren. In Sydney lernte Funder als 19-Jährige die 60 Jahre ältere Ruth Blatt kennen. Daraus erwuchs eine Freundschaft, wie Funder erzählt, die sie nicht mehr losließ. Als die Autorin sich dann zu einem Stipendium in Berlin aufhielt, betrachtete sie die Stadt mit den Augen der Zeitzeugin: „Ich lief durch die Straßen und sah die Einschusslöcher vom Straßenkampf zwischen Kommunisten und rechtsradikalen Vorläufern der Nazis. So konnte ich Ruths Leben quasi körperlich wahrnehmen.“ Ihr Roman ist eine Hommage an Menschen, die bereit sind, für ihre Ideale ihr Leben zu riskieren. Und er ist ein Denkmal für die Freundin, die 2001 starb.

Christoph Schröder

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