Spannung / Im Gespräch

Die Wahrheit und andere Lügen
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Sascha Arango© C.Bertelsmann

Das Böse hinter charmanter Fassade

Was macht die Tat mit dem Täter? Diese Frage beschäftigt Sascha Arango in seinen Drehbüchern und nun auch in seinem ersten Roman „Die Wahrheit und andere Lügen“. Wir haben uns mit dem Autor über seine Arbeit unterhalten.

Herr Arango, aus Ihrer Feder stammen die Drehbücher zu Filmen wie „Alaska Johansson“, „Tom Sawyer“, zur Krimiserie „Eva Blond“ oder zu den „Tatort“-Krimis mit Axel Milberg als Kommissar Borowski. Was hat Sie daran gereizt, nun einen Roman zu schreiben?
Ganz einfach: Weil es mein großes Ziel war, seit ich angefangen habe zu schreiben. Meine Arbeit als Drehbuchautor hat mir dazu leider bisher keine Zeit gelassen. Jetzt habe ich sie mir einfach genommen, auch weil ich diese Herausforderung so überaus reizvoll finde.

Das muss doch ein entspanntes Arbeiten gewesen sein: Kein Regisseur, kein Produzent, der einem reinredet …
Ach wissen Sie, nach meinem ersten Roman schätze ich die Arbeit als Drehbuchautor umso mehr. Man arbeitet im Team, diskutiert, reflektiert die Story, nimmt Anregungen auf. Aber natürlich werde ich auch wieder einen Roman schreiben.

Hat ein Schauspieler wie Axel Milberg denn auch Wünsche an das Drehbuch parat?
Milberg mischt sich selten ein, denn uns verbindet inzwischen fast so eine Art telepathischer Draht. Wenn ich einen Borowski-„Tatort“ schreibe, sehe ich ihn vor mir, weiß, wie er denkt und handelt, versuche zu ergründen, was er in dem Moment tun würde.

In Ihrem Roman „Die Wahrheit und andere Lügen“ begegnet uns das Böse in Gestalt des Bestsellerautors Henry Hayden. Er ist großzügig und gerissen, charmant und kaltblütig. Ein Verbrecher, der dem Leser gar nicht so unsympathisch ist …  
Jeder Leser ist eingeladen, sich in Henry Hayden wiederzufinden. Nach außen hin gibt er den Großzügigen, der das Gute und Schöne liebt, der perfekte Romane schreibt. Der Leser ist privilegiert, weil er weiß, welche Abgründe sich hinter dieser eleganten Fassade verbergen. In gewisser Weise wird er dadurch zu Henrys Komplizen und rückt ihm nahe. Der Leser soll mit ihm mitfühlen.

Hayden wird durch Zufall zum Verbrecher: Als seine Geliebte schwanger wird, will er sie aus dem Weg räumen, wobei ihm ein fataler Fehler passiert.
Ja, oft ist es ein banaler Anlass, der einen Menschen zum Täter macht. Diese Tatsache und die Frage, was die Tat mit dem Täter macht, interessiert mich brennend. Hayden leidet an seinen Taten, verstrickt sich aber immer weiter in Lügen und in seiner Schuld.

Ist Henry ein Mensch ohne Gewissen?
Ganz und gar nicht. Er ist sich der Niedertracht seiner Taten bewusst und schämt sich dafür, was für ein schlechter Mensch er ist – aber eben nur vor sich selbst. Nach außen hin lässt er die Maske nie fallen. In einer zentralen Szene des Buchs bekämpft er einen Marder, der sich im Dach seines Hauses eingenistet hat – ein Kampf, der völlig aus dem Ruder läuft, gegen ein kleines Tier, das sein Gewissensdämon ist. So ist das, wenn wir mit unserer Schuld allein sind.

Sie lieben es, in Ihren Krimis existenzielle, philosophische Fragen zu behandeln?
Über Schuld und Sühne nachzudenken ist doch hoch spannend! Trotzdem ist mein Buch kein Krimi, sondern ein spannender Roman. Spannend, weil man nie weiß, was als Nächstes passiert. Es macht mir Spaß, den Leser – oder auch den Fernsehzuschauer – glauben zu machen, er sei auf der richtigen Fährte – um ihn im nächsten Moment vom Gegenteil zu überzeugen.

Interview: Eckart Baier

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