Literatur-Nachrichten

WG-Zimmer

Von Marita Mogall-Thiesler

WG-Zimmer, 18 qm, unmöbl., Küchen- und Badmitbenutzung, Internet und Nebk. incl. 265,-€, Ruth, Tel.:...... 

Die Vorlesungen im Wintersemester hatten schon begonnen, als er die Zusage für den Medizin-Studienplatz bekam. Jetzt noch ein Zimmer mieten - fast unmöglich. Überall, wo Marco angerufen hatte, waren die Zimmer bereits vergeben oder unbezahlbar - nur dieses eine blieb. Ruth suchte einen Mitbewohner, die Stimme am Telefon hatte relativ jung geklungen. Marco lief an diesem Morgen die Straße entlang - die Wohngegend war schön, Villen aus der Zeit von 1920, gepflegte Vorgärten, nah zur Uni, und die Miete war für die 18 qm und die Lage günstig. Marco klingelte, zwei Partien wohnten wohl im Haus. Über die Gegensprechanlage stellte er sich vor, der Türsummer brummte. KLACK, ging die Tür auf. Marco betrat das Treppenhaus.

„Kommen Sie herauf!“, hörte er die weibliche Stimme aus dem oberen Stock.

Marco stieg die Treppe hinauf, die Wohnungstür war angelehnt.

Marco schob sie vorsichtig auf - im Wohnungsflur ihm gegenüber stand eine alte Frau, bestimmt 75 Jahre, mindestens 140 kg schwer. Marco wich erschrocken zurück, eine Wohngemeinschaft mit Altenheimanschluss war nicht sein Wunsch!

„Kommen Sie!“, forderte ihn die alte Frau auf, deren Stimme und lebhafte Augen so gar nicht zu dem Äußeren passen wollten. „Sehen Sie sich das Zimmer wenigstens an!“ Ehe Marco noch etwas sagen konnte, hatte sie ihn in den Flur der Wohnung gezogen, die Tür hinter ihm geschlossen und ihn in den Eingang eines der Zimmer geschoben. Es war ein großes, helles, unmöbliertes Zimmer, größer als die 18 qm, die in der Anzeige gestanden hatten, mit Balkon zur Gartenseite. Perfekt!

„Und gefällt es Ihnen?“

Marco war ganz verdattert und stotterte: „Ja, es ist sehr schön!“

„Und, wollen sie es mieten?“, die Stimme von Ruth klang lauernd.

Marco dachte kurz nach, ihm blieb einfach keine Wahl, die Vorlesungen hatten schon begonnen. „Ja.“

„Und sie studieren Medizin?“

„Ja!“

„Gut, dann lassen sie uns gleich den Vertrag machen.“ Gemeinsam gingen sie in den Wohnraum. Auf dem Esstisch war eine große Schale mit Schokoladenfiguren, Weihnachtsmännern und Osterhasen, alle ohne Staniol, daneben lagen alle Formulare -  vorbereitet. Marco las sich alles gründlich durch - er konnte nichts Fehlerhaftes feststellen - und unterschrieb den Mietvertrag.

„Wann wollen sie einziehen?“, fragte Ruth. „

„Am besten gestern! Die Vorlesungen haben schon angefangen. Spätestens am nächsten Wochenende.“

„Heute ist Mittwoch, also Samstag oder Sonntag ziehen sie in ihr Zimmer ein. Dann mache ich ihnen einen Vorschlag - Sie können für die zwei Tage hier schon übernachten. Kommen sie, ich zeige ihnen mein Schlafzimmer, dort ist ein sehr großes Bett.“ 

Marco sah sie verwundert an.

Haben sie ein Problem damit?“ Ruth grinste ihn an, wuchtete sich vom Stuhl hoch und ging voraus. 

Marco sah in das Schlafzimmer, es war ein großer Raum in Rot-Orange mit einem riesigen Doppelbett. Der Raum hatte eine anheimelnde, kuschelige Atmosphäre.

„Ich heiße Ruth - ich finde, wir sollten uns duzen.“ Sie reichte Marco die fleischige Hand. Marco drückte sie.

„Es klingt für Dich vielleicht ungewöhnlich, aber Du kannst hier auf der rechten Seite schlafen. Ich schnarche auch nicht!“ 

Marco dachte für einen Moment nach - es war viel billiger als ein Hotel, er konnte gleich zur Vorlesung und die nächsten beiden Tage auch - warum eigentlich nicht. „Das - das wäre unglaublich!“, stotterte er vor sich hin.

„Fein. Dann hol deine Sachen. Den Haustür- und Wohnungstürschlüssel hast du ja schon.“

„Ich habe alles dabei“, Marco deutete auf seinen Rucksack.

„Gut, dann geh zu Deinen Vorlesungen, dann bis heute abend. Und falls Du spät bist, mach ruhig Licht im Schlafzimmer an, ich schlafe fest.“

 

Es war gegen 22:00 Uhr als Marco wieder in der Wohnung eintraf. Er legte seinen Rucksack in sein neues Zimmer, ging ins Bad, wusch sich, putzte die Zähne und kleidete sich um. Dann betrat er das Schlafzimmer, machte Licht und legte sich auf die rechte Seite des großen Bettes. Neben ihm lag bereits Ruth.

Marco löschte das Licht, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und dachte über den Tag nach, der so positiv verlaufen war, dann schlief er auf dem Rücken ein, die Hände wie ein Säugling auf dem Kopfkissen.

Er träumte: Mit samtenen Händen wurde er entkleidet, zuerst war ihm kalt, aber dann wurde es warm, eine schwere, weiche Wärme breitete sich über seinen Körper und dann wurde er mit Küssen verwöhnt. Küsse, die nach Schokolade schmeckten, so intensiv nach Schokolade, dass er wach wurde. Als er die Augen aufmachte, sah er in Ruths Augen. Sie hob den Kopf, ihr lächender, faltiger Mund war mit Schokolade verschmiert. „Für Jungs die Weihnachtsmänner, für Mädels die Hasen“, erklärte sie ihm. 

„Ruth, geh von mir herunter, was willst Du?“, fragte Marco.

„Ich gehe nicht - Du weißt genau, was ich will“, raunte sie.

„Nein, Ruth, ich will das nicht.“ Marco versuchte unter Ruth herauszukommen, aber es gelang ihm nicht, seine Handgelenke waren mit Seidentüchern am Bett festgebunden.

„Genieße es!“, Ruth küsste ihn erneut und obwohl er sich Mühe gab, die Lippen fest zusammen zupressen, drang sie mit ihrer Schokoladenzunge in seinen Mund vor. Wieder und wieder. Immer mehr füllte sich Marcos Mund mit weicher, süßer Zartheit und je mehr sein Mund sich füllte, desto williger gab er dem Werben von Ruth nach. Er schloss die Augen und versuchte nachzudenken - seine Situation war aussichtlos, er war dieser Alten ausgeliefert, die nun zu merken schien, dass er sich nicht mehr wehrte und dies ausnutzte. Marco hielt die Augen geschlossen, vielleicht war das alles nur ein böser Traum und gleich wachte er auf. Die Erektion, die er erlebte, war gewaltig und er hatte den Eindruck, dass das Gewicht, das auf ihm lag immer weniger wurde, gleichzeitig fühlte er sich immer matter. Nachdem er sich etwas erholt hatte, öffnete er die Augen, Ruths Augen waren immer noch da, ihr schokoladenverschmierter, voller Mund war nicht mehr der einer alten Frau, ebenso ihr Körper war jetzt schlank und jung.

„Ruth?“, Marco richtete sich mühsam auf und Ruth erhob sich und sprang auf. Marco sah an sich herunter, er war alt, dürr mit lederiger, faltiger Haut.

„Ruth, ich glaub ich spinne!“

„Ja, dachte ich auch erst. Es geht nur mit Medizinstudenten. Du kannst jetzt feststellen, wie es ist, wenn man alt ist. Wenn Du keinen Bock mehr darauf hast, suchst Du eine Untermieterin. Mach‘s gut.“ Damit war Ruth aus dem Zimmer verschwunden. Langsam und mühevoll versuchte Marco aufzustehen, er hatte das Gefühl, dass es in allen Knochen knackte, als er es endlich geschafft hatte, hörte er die Wohnungstür- und kurz danach die Haustür zuschlagen.

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