Spannung / Titelgeschichte

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Die Falle

Kampf um Wahrheit

Sie liebt es, in die Haut anderer zu schlüpfen – als Schauspielerin und als Autorin. In ihrem ­Debütroman „Die Falle“ erzählt Melanie Raabe von einer traumatisierten Schriftstellerin, die den mutmaßlichen Mörder ihrer Schwester in ihr Haus locken und überführen will.

Alles ist minutiös geplant, jetzt soll die Falle endlich zuschnappen. Der Journalist, den Melanie Raabes Heldin im Visier hat, kommt für ein Interview in ihr Haus, das die berühmte Schriftstellerin seit elf Jahren nicht mehr verlassen hat. Er legt sein Aufnahmegerät, einen Stift und ein Notizbuch auf den Tisch, und der Tanz, oder besser: der Kampf der beiden um die Wahrheit, kann beginnen. Seit Jahren peinigt sein Gesicht sie in ihren Träumen. Hat er tatsächlich ihre Schwester ermordet? Und wird er das zugeben?

Das spannende Kammerspiel ist das zentrale Kapitel in Melanie Raabes Thriller "Die Falle". "Es war auch die erste Szene, die ich geschrieben habe, und der Arbeitstitel des Buchs war lange ‚Das Interview‘", erzählt die Autorin bei einem Cappuccino im Kölner Café Sehnsucht. Sie sitzt vor einem der Fenster, im Hintergrund ist Ehrenfeld zu sehen, das frühere Arbeiterviertel, das heute viele Junge und Kreative anzieht. Sie wohnt ganz in der Nähe, schreibt meistens zu Hause, manchmal aber auch hier oder in anderen Cafés, um unter Menschen zu sein.

Viele Jahre Schreiberfahrung
Schreiben ist das, was sie immer schon gemocht und gemacht hat. „‚Die Falle‘ ist der erste Roman, den ein Verlag veröffentlicht, aber der vierte, den ich fertiggestellt habe.“ Schreiben ist Melanie Raabe so wichtig, dass sie dafür vor einigen Jahren auch schon sehr früh aufgestanden ist: „Als ich bei einem Kölner Stadtmagazin angestellt war, habe ich vor der Arbeit an meinen Texten gefeilt, oft morgens um halb fünf.“ Viele Jahre Schreiberfahrung sind die Basis dafür, dass sie gleich mit ihrem Debüt durchstartete, und das, bevor es überhaupt erschienen war: Die Übersetzungsrechte gingen in etliche Länder, und "Die Falle" wurde ausgewählt, um auf der Berlinale als potenzieller Filmstoff vorgestellt zu werden.
Eine gute Ausbildung für das Schreiben sei, so meint sie, ihre zweite Leidenschaft: die Schauspielerei. "Wenn man auf der Bühne steht, muss man sich in seine Figur hineinversetzen, genau wie beim Schreiben." Im Theater müsse sie sich allerdings mehr überwinden, weil ihr das Lampenfieber zu schaffen mache. Es falle ihr leichter, sich die Geschichten auszudenken, die in Szene gesetzt werden sollen.
Melanie Raabe erzählt lebhaft, spricht schnell und doch überlegt. Sie hört aber auch gern zu, schließlich ist es sonst an ihr, ­Fragen zu stellen – etwa wenn sie für ihren Blog bibliogra­philia.de Menschen interviewt, die sie interessieren. "Das ist eine gute Möglichkeit, mehr über andere zu erfahren." Sie will wissen, was andere fasziniert und antreibt, und sie gibt ihren Antworten, ihren Träumen, Ideen und Projekten, viel Raum.

Warum sperrt sich ein Mensch selbst ein?
Gespräche sind ihr wichtig, und über ein Gespräch ist sie auch auf die Idee zu ihrem Thriller gekommen. „Als mir eine Freundin von einer Autorin mit Angststörung erzählte, die ihr Haus jahrelang nicht verlassen hatte, war ich elektrisiert“, erinnert sie sich. „Ich dachte sofort, dass das ein toller Stoff für einen Roman ist.“
Sie recherchierte und überlegte sich, was jemanden dazu bringen könnte, sich über Jahre selbst einzusperren. "Und ich habe mich gefragt, wie das sein muss, auf so vieles verzichten zu müssen, allein auf all die kleinen und doch so schönen Alltagsmomente: in ein Fenster zu schauen und sich vorzustellen, wie andere leben. Eine Katze zu sehen. Oder einfach nur zum Bäcker zu gehen."
Sie selbst ist gern unter Menschen, hat viele Freunde und sogar einige Jahre in einer Fünfer-WG in Ehrenfeld gelebt. Sie kann aber auch gut allein sein. Dabei spielen Bücher für Melanie Raabe eine große Rolle, auch als Leserin. Nicht um sich zu informieren, was die Konkurrenz macht, sondern weil ihr Geschichten, Fantasie, Reflexionen viel bedeuten. "Ich lese alles Mögliche, quer durch die Genres. Gerade habe ich Flavia de Luce entdeckt", erzählt sie, als wir das Café verlassen. Die schrägen Geschichten um eine elfjährige Detektivin sind ihre Entspannungslektüre für zwischendurch. Doch mit ihren Gedanken ist sie schon mitten im nächsten Roman.

Sabine Schmidt

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