Belletristik / Im Gespräch

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Das Meer in deinem Namen

"Wellness für die Seele"

Sie ist eine Autorin mit Leidenschaft fürs Meer und für romantische Geschichten: Patricia Koelle erzählt im Interview über ihren Roman „Das Meer in deinem Namen“ – und warum Spannung auch ohne Bösewichte funktioniert.

Ihr Roman „Das Meer in deinem Namen“ hat schon lange vor dem Erscheinen des Buchs viele begeisterte Leser gefunden. Wie kam das?
Ich habe das Buch während der Entstehung Stück für Stück in meinem Blog im Internet veröffentlicht, sodass meine Leser beim Schreiben sozusagen dabei waren. Als der Roman 2013 fertig war, hat ihn mein damaliger Verlag sieben Tage kostenlos bei Amazon angeboten. So kam es dann schnell zu Rezensionen und zu vielen positiven Stimmen. Das hat sich dann wie eine Welle fortgesetzt: Immer mehr Leser verfassten begeisterte Kommentare.

Pflegten Sie denn auch direkten Kontakt zu Ihren Lesern?
Natürlich! Der Austausch über den Blog und über Facebook war für mich enorm wichtig. Es kommt ja nicht nur Lob, sondern auch Kritik. Mit der Zeit ist eine Art Vertrauensverhältnis zu meinen ­Lesern entstanden, deshalb ist Teil zwei des Romans auch schon als E-Book erschienen – einfach weil ich es den Lesern versprochen hatte. Das Taschenbuch kommt dann im Herbst. Dass es im ­FISCHER Taschenbuch Verlag erscheint, freut mich natürlich riesig, denn so wird der Roman sicher noch mehr Leser finden. Zusammen mit meiner Lektorin habe ich auch noch einiges daran gefeilt, was für die Qualität des Buchs, aber auch für mich persönlich sehr hilfreich war. Überhaupt bin ich von der Professionalität des Verlags schwer beeindruckt: Lektorat, Herstellung, Cover­design, Marketing – für alles gibt es eine eigene Abteilung! Und dann  stand eines Tages sogar ein Fotograf vor meiner Tür …

Was fasziniert Ihre Leser – die meisten sind wahrscheinlich Frauen – denn so an dem Roman?
Ich dachte zunächst auch, dass es ein Buch für Frauen ist. Viele Zuschriften von Männern haben mir aber gezeigt, dass mein Buch sie  offenbar auch anspricht. Vor dem Schreiben habe ich mir überlegt, was ich selbst gern lesen würde. Ein Geheimnis muss die Geschichte haben, ein altes Haus ist förderlich und die Liebe muss eine Rolle spielen, obwohl es kein ausgesprochener Liebesroman sein sollte. Und natürlich haben mich die Ostsee und die reetgedeckten Häuser inspiriert.

Herausgekommen ist ein Roman, der auf angenehme Weise fesselt …
So ist es! Ich will Geschichten schreiben, die man gern liest. Es ist doch seltsam: Wir machen Strandurlaub, gehen in Wellness-Tempel, tun alles für unsere Gesundheit. Aber beim Lesen geht es um Verbrechen, Leichen und Horror. Wo bleibt die Wellness für die Seele? Ich wundere mich sehr, wenn sich Leute über zu viele Gutmenschen – schon den Begriff finde ich schrecklich – in meinen Büchern beschweren. Was haben die Leute für ein Bild der Realität, wenn sie es für unrealistisch halten, dass in einem Ort wie Ahrenshoop die Menschen nett zueinander sind? Ich beschreibe ganz normale Menschen – und mein Roman beweist, dass man spannende Bücher ganz ohne Bösewichte schreiben kann.

Braucht es für solche Geschichten eine romantische Ader?
Das weiß ich nicht. „Das Meer in deinem Namen“ soll unterhalten, aber nicht auf diese humoristische Weise, wie es andere so­genannte Frauenromane tun. Ich will mit meinen Büchern weiß Gott nicht missionieren, es freut mich aber schon, wenn mir eine Leserin schreibt, dass mein Roman sie an einen Lebenstraum erinnert hat, den sie hegte und den sie sich jetzt erfüllen will.

Das Meer spielt nicht nur im Titel eine wichtige Rolle – ­welche Beziehung haben Sie persönlich zum Meer?
Es ist für mich Lebenselixier, dort habe ich Platz zum Denken. Früher sind wir häufig an die Nordsee nach Amrum gefahren, diese Insel ist bis heute so eine Art seelische Heimat für mich geblieben. Mein Mann, der im Rollstuhl sitzt, und ich fahren heute eher an die Ostsee – es ist näher und das Klima milder.

Wann sind Sie denn zum Schreiben gekommen?
Schon als Kind habe ich Geschichten aufgeschrieben, später sogar ganze Romane – aber alles für den Papierkorb. Ich wollte zwar immer Schriftstellerin werden, wusste aber nicht, wie man das anstellt. Später fand ich wenig Zeit zum Schreiben: Studium, Beruf, dann habe ich meinen Mann kennengelernt, den ich pflegen musste.

Haben Sie denn heute mehr Zeit zum Schreiben?
Leider kann ich lediglich zwischen 17 und 19 Uhr schreiben, mehr Zeit steht mir einfach nicht zur Verfügung. Ansonsten kann ich während des Tages nur bereits Geschriebenes redigieren, Mails beantworten und mir die Ideen notieren, die mir zufliegen. Die Geschichte spukt mir den ganzen Tag im Kopf herum, auch wenn ich gerade nicht schreiben kann. Disziplin ist für das Schreiben sehr wichtig und daran habe ich noch viel zu arbeiten.

Interview: Eckart Baier

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