Rat & Wissen / Auszeichnung

Betörende Blütenwelt

Von blühenden Gärten und reichen Ernten erzählen auch in diesem Jahr wieder aufs Schönste die Bücher, die beim Deutschen Gartenbuch-Preis 2014 auf Schloss Dennenlohe ausgezeichnet wurden. Wir stellen Ihnen alle prämierten Titel vor.

Die Jury hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: Mehr als 100 Einsendungen aus 36 Verlagen hatten die Experten zu prüfen und zu bewerten. In den Kategorien „Bester Ratgeber“, „Bester Bildband“, „Bestes Buch zur Gartenprosa“, „Bestes Buch zur Gartengeschichte“, „Bester Gartenreiseführer“, „Bestes Gartenporträt“ und „Stihl Sonderpreis“ hatten die Verlage wieder gelungenen Titeln eingereicht. Den Jury-Vorsitz führte Robert Freiherr von Süsskind, der den Gartenbuchpreis mit seiner Frau Sabine vor acht Jahren initiiert hat. Sein Familiensitz, das Schloss Dennenlohe bei Ansbach, bot auch in diesem Jahr wieder den festlichen Rahmen für die Verleihung des Gartenbuchpreises. Das Buchjournal war erneut als Medienpartner beim Preis dabei, der von der Firma Stihl gesponsert wird.

In folgenden Kategorien wurden Bücher ausgezeichnet:

Kategorie "Gartenprosa"

1. Preis: Andreas Barlage, „Ans Herz gewachsen“ (Jan Thorbecke Verlag)
2. Preis: Elsemarie Maletzke, „Wenn ich in den Garten geh“ (Gerstenberg Verlag)
3. Preis: Rosemarie Doms, „Im Garten meiner Kindheit“ (Jan Thorbecke Verlag)

Begründung der Jury: Das Buch von Andreas Barlage ist ein sehr persönliches Werk, das sich jedoch für jeden Gartenfreund zur Lektüre empfiehlt. Der studierte Gartenbauingenieur, Autor und Redakteur ist ein leidenschaftlicher Pflanzenliebhaber, der in diesem Buch seine Lieblingspflanzen vorstellt. Er tut dies auf so virtuose und anregende Weise, dass man sich auch in der kalten Jahreszeit baldmöglichst einen Garten herbeisehnt. Die abwechslungsreichen Texte verbinden dabei den Bericht über eigene Erfahrungen mit der Vermittlung von Hintergrundwissen, Tipps zur Sortenwahl und Pflege. In vier Kapiteln, aufgeteilt in Stauden, saisonale Pflanzen, Zwiebelblumen und Rosen werden insgesamt 33 Pflanzenarten und –sorten besprochen. Wer das Buch in die Finger bekommt, wird davon nicht so schnell wieder ablassen, denn nach nur wenigen Zeilen merkt man, dass hier ein Gartenenthusiast schreibt, der es auf ganz besondere Weise schafft seine Leser zu fesseln.


Kategorie "Bester Bildband"

1. Preis: Jürgen Becker, „Garden Pictures“ (Becker Joest Volk Verlag)
2. Preis: Susanne Wannags. „Zen-Gärten“ (BLV)
3. Preis: Hildegard Morian, Helga Panten, „Tulipa schöner als Salomonis Seide“ (Tecklenborg Verlag)

Begründung der Jury: Bereits beim ersten Anblick ahnt der Leser, dass es sich bei dem vorliegenden Werk um etwas Besonderes handelt. Zieht man das großformatige Werk aus seinem Schuber erblickt man ein Buch in schlichtem, edlen Design – in grünes Leinen gewandet, mit grünem Schnitt und Goldprägung tritt einem der Bildband von Jürgen Becker entgegen. Dabei handelt es sich um die bislang außergewöhnlichste Edition, die der vielfach ausgezeichnete deutsche Gartenfotograf im Eigenverlag vorgelegt hat. Auf über 270 Seiten breiten sich seine Aufnahmen von deutschen, niederländischen und auch spanischen Gärten aus, wobei keine Bildunterschrift den Betrachter ablenken soll – nähere Angaben zu den Fotografien finden sich gesammelt am Schluss des zweisprachig angelegten Werkes. Stellt man sich die Frage nach einem Charakteristikum von Jürgen Beckers Gartenfotografie, so erhält man auf den ersten Seiten des Buches einen Hinweis. Dort liest man: „selbst der begabteste Fotokünstler vermag nur eine Facette der Gartenmagie festzuhalten: die des Lichts“. In der Tat ist es gerade der Umgang mit dem Licht, der Jürgen Beckers Gartenfotografien zu etwas gleichsam Magischen werden lassen.

Kategorie "Bester Ratgeber"

1. Preis: Andrea Heistinger, „Das große Biogarten-Buch“ (Eugen Ulmer Verlag)
2. Preis: Reinhard Witt, „Natur für jeden Garten“ (Verlag Naturgarten)
3. Preis: Folko Kullmann, „Square Foot Gardening“ (BLV)

Begründung der Jury: Zehn Jahre nach ihrem ersten Gartenbuch gelingt es Andrea Heistinger zusammen mit weiteren Autorinnen und Autoren der mittlerweile weithin bekannten, im österreichischen Schiltern beheimateten „Arche Noah, Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt & ihre Entwicklung“ ein gewichtiges Grundlagenwerk zum Thema Biogarten vorzulegen. Auf über 620 Seiten wird der Leser umfassend informiert. Der erste Teil des Buches widmet sich den Grundlagen der Selbstversorgung wie den Themenkomplexen Boden, Düngen, Kompostieren, Gießen, Krankheiten und Schädlinge, sowie Lagern und Konservieren von Obst und Gemüse während der Hauptteil dem Gemüse und Obst vorbehalten ist. Ausführlich werden die Ansprüche und die Pflege der jeweiligen Arten und Sorten dargestellt und mit zahlreichen Fotografien und Zeichnungen illustriert. Etliche Sortentabellen informieren über die Eigenschaften der jeweiligen Kulturformen. Zusätzlich ist jeder Beschreibung ein eigener Kasten mit dem Titel „Tips von Arche Noah-Gärtnerinnen“ beigefügt. In weiteren Kapiteln werden auch Blumen, Pilze und Getreide behandelt. Ein Serviceteil mit Bezugsquellen rundet das Werk ab, das zweifellos das Zeug zum Standardwerk der Gartenliteratur auf diesem Gebiet hat.

Kategorie "Bestes Buch zur Gartengeschichte"

1. Preis: Kristina Vagt, „Politik durch die Blume“ (Dölling und Galitz Verlag)
2. Preis: Renate Hücking, „Mit Goethe im Garten“ (Callwey)
3. Preis: Lübbert R. Haneborger, „Das Schlosspark Geheimnis“ (Gräflich zu Inn- und Knyphausen´sches Rentamt)
3. Preis: Silke Arends, „Schlosspark Lütetsburg“ (Gräflich zu Inn- und Knyphausen´sches Rentamt)

Begründung der Jury: Die Gartengeschichte unserer jüngeren Vergangenheit, namentlich der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist ein wichtiges, aber bislang noch viel zu wenig behandeltes Thema. Das Buch von Kristina Vagt beleuchtet dieses Kapitel der Gartengeschichte anhand von Gartenbauausstellungen der Nachkriegszeit in Hamburg und Erfurt. Untersucht wird in dem Band gerade auch die historisch-politische Dimension von Gartenausstellungen in jener Ära. Die Konzentration der Betrachtung auf zwei Städte mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Die nähere Beschäftigung damit zeigt aber, dass gerade die Ausstellungen in diesen beiden Städten weitreichenden Einfluss entfalteten. Thematisiert werden drei Ausstellungen in Hamburg und fünf Gartenschauen in Erfurt. Gerade die IGA in Hamburg 1963 hatte beispielsweise großen Einfluss auf die Entwicklung der Gartenkultur in Westdeutschland, während es sich bei der Ausstellung in Erfurt im Jahr 1961 um die erste Internationale Gartenschau der sozialistischen Länder handelte. Das ega-Gelände in Erfurt ist ein bis heute erhaltenes Gartendenkmal jener Zeit, aus der in wenigen Jahren nur noch ganz wenige Anlagen erhalten sein werden.

Kategorie "Bester Gartenreiseführer"

1. Preis: Katja Gartz, „Gartenreiseführer Mecklenburg-Vorpommern“ (Hinstorff Verlag)
2. Preis: Karin Standler, „Der Garten als Wissensraum“ (Team private plots)
3. Preis: „Rosengärten in Deutschland“ (Aquensis Verlag)

Begründung der Jury: Der Gartenreiseführer Mecklenburg-Vorpommern von Katja Gartz ist ein Buch, das aus dem Rahmen fällt. Schon das etwas größere Format des Gartenreiseführers ist ungewöhnlich und durchaus wohltuend. Auffällig ist auch die für einen Gartenreiseführer überaus reiche Ausstattung mit Bildmaterial, die es dem Leser erlaubt, sich einen guten Eindruck von den beschriebenen Anlagen zu verschaffen. Die ansprechend und abwechslungsreich geschriebenen Texte machen Lust, die Gärten zu besuchen, vermitteln aber auch die wichtigsten Informationen zu Geschichte und Entwicklung der jeweiligen Anlage. Insgesamt werden 50 private und öffentliche Anlagen vorgestellt, welche die Autorin auch alle selbst besucht hat. Aktuell recherchierte Serviceinformationen zu Adressen, Öffnungszeiten etc., sowie eine gute Übersichtskarte erleichtern die Planung einer Gartenreise durch dieses landschaftlich reizvolle Bundesland.

Kategorie "Bestes Garten- und Pflanzenporträt"

1. Preis: Josh Westrich, „Hepatica/Leberblümchen“ (Edition Art & Nature)
2. Preis: Cassian Schmidt, „Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof“ (Eugen Ulmer Verlag)
3. Preis: Kasimir M. Magyar, „Der Rosenflüsterer“ (Hirmer Verlag)

Begründung der Jury: Das großformatige Werk widmet sich einer im Original recht kleinen und in manchen Augen vergleichsweise unscheinbaren Gartenpflanze – dem Leberblümchen. Der Autor, der brandenburgische Gärtnermeister Andreas Händel, weiß wovon er spricht, denn er gilt als der kundigste Experte für diese Pflanzengattung in Deutschland und wird weithin als Mister Hepatica“ bezeichnet. Den weitausgrößten Teil nimmt der fachliche Teil des Buches ein, in dem der Fachmann seine jahrelangen Erfahrungen und Erkenntnisse erstmals umfassend festgehalten hat. Eingehend wird das Sortiment der derzeit über 220 Arten und Sorten beschrieben. Weitere Kapitel behandeln die Benachbarung, die Vermehrung, die Züchtung sowie Krankheiten und Schädlinge. Am Anfang und im hinteren Teil des Buches finden sich Blütenporträts des bekannten und mehrfach ausgezeichneten Pflanzenfotografen Josh Westrich, welche dem Werk seine ganz besondere Brillanz verleihen. In atemberaubenden Großaufnahmen kommt der Betrachter den Leberblümchen so nahe wie sonst nie.

Dr. Viola Effmert Gedächtnispreis in der Kategorie „Beste Gartensendung“

1. Platz: MDR Gartensendung (Mitteldeutscher Rundfunk)

Begründung der Jury: Die seit nun mehr rund 14 Jahren existierende Sendereihe des MDR vermag es auf besondere Weise Gartenthemen an ein breites Publikum zu vermitteln. Dem langjährigen, erfolgreichen Format gelingt es dabei nicht nur an die gärtnerische Tradition in Ostdeutschland erfolgreich anzuknüpfen, sondern seit einigen Jahren auch Zuschauer in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erreichen und mit viel Lust und Laune unterschiedlichste gärtnerische Themen darzustellen. Die Sendungen sind jeweils in verschiedene Rubriken unterteilt: In der Regel werden zwei Gäste zu zwei verschiedenen praktischen Themen befragt, ein privater oder ein historischer Garten vorgestellt und Literaturtipps gegeben oder Tiere im Garten gezeigt. Hervorzuheben sind die Hinweise zu neu erschienenen Gartenbüchern, von denen jeweils einer vertiefend besprochen und drei weitere in einer Filmeinspielung erläutert werden. Ebenfalls lobenswert ist die Tatsache, dass Gärten aus ganz Deutschland, teils auch aus anderen europäischen Ländern, in vertiefenden Features dargestellt werden und so zum Besuch animieren.

Stihl Sonderpreis für außergewöhnliche Leistungen (Preisgeld: 5.000 €)

Josh Westrich, „Hepatica/Leberblümchen“ (Edition Art & Nature)

Begründung der Jury: Das Buch „Hepatica / Leberblümchen“ stellt einen besonderen Glücksfall in der Gartenliteratur dar, denn hier haben sich zwei Meister ihres jeweiligen Faches gefunden – der derzeitige Experte zur Gattung Hepatica, Andreas Händel, und der Meister unter den deutschen Blütenfotografen, Josh Westrich. Sie haben in kongenialer Weise zusammen ein Werk geschaffen, das seinesgleichen sucht. Das Buch ist gleichzeitig ein fachliches Lebenswerk und durch die großformatigen Blütenporträts ein ganz besonderer ästhetischer Hochgenuss. Möglich wurde dieses Vorhaben in der vorliegenden, künstlerisch hochwertigen Form nur durch die Edition im Eigenverlag von Josh Westrich. Dies war nur unter hohem persönlichen wie finanziellen Einsatz von Herrn Händel und Herr Westrich realisierbar. Das Ergebnis ist ein in der herkömmlichen heutigen Verlagslandschaft kaum noch zu findendes, von Idealismus und besonderer Leidenschaft zum Garten geprägtes Buch – mit anderen Worten eine zweifellos außergewöhnliche Leistung.

Jury des Deutschen Gartenbuchpreises 2014
Robert Freiherr von Süsskind, Horst Forytta (Vorstand des Gartennetz Deutschland), Dr. Klaus Beckschulte (Börsenverein – Landesverband Bayern), Jens Haentzschel, Andrea Kögel (Burda-Redaktionsdirektorin), Jochen Martz (Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur Bayern Nord, Dr. Rüdiger Stihl (STIHL Holding), Christian von Zittwitz (BuchMarkt)

1 Kommentar/e

1. Monika Kurzhals 29.03.2014 02:54h Monika Kurzhals

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Ihnen ein weiteres Gartenbuch - vielleicht für die nächsten Nominierungen - vorstellen: "Gärten gestalten" von Herta Simon
und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie meinen Vorschlag an den Jury Vorsitzenden Robert Freiherr von Süsskind weiterleiten könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Monika Kurzhals
c/o Deutsche Botschaft Pjöngjang

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