Spannung

Fliege fort, fliege fort
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Paulus Hochgatterer© www.corn.at/Deuticke

"Alles hängt zusammen"

In seinem neuen Roman erzählt Paulus Hochgatterer eine bitterböse, psychologisch fein austarierte Geschichte über Fremdenfeindlichkeit, Gewalt gegen Kinder und die düstere Vergangenheit eines Waisenhauses.

Ihr neuer Roman „Fliege fort, fliege fort“ ist eine Rückkehr auf bekanntes Terrain: Zum dritten Mal nehmen Sie Ihre Leser mit in die fiktive österreichische Kleinstadt Furth am See. Hinter der beschaulichen Kulisse passieren wieder verstörende Verbrechen, an deren Aufklärung Ihr bewährtes Ermittlerduo, der Psychiater Raffael Horn und der Kommissar Ludwig Kovacs, fieberhaft arbeiten. Was gab den Ausschlag für einen neuen Horn-Kovacs-Roman?
Ein Buch ist ein Beginn, zwei Bücher mit denselben Figuren sind eine Ansage. Ab dem dritten Buch kann man von einem abgeschlossenen Projekt oder der Minimalvariante einer Reihe sprechen. Dieser Umstand hat mich sicherlich zum aktuellen Buch motiviert. Anders formuliert: Ich weiß zwar, dass die Idee des Abschließens im Allgemeinen eine Illusion ist, aber ­gewisse Dinge möchte man trotzdem zu einem Ende bringen. Die ­Geschichte von einem Psychiater und einem Kommissar zum ­Beispiel.

Ihren letzten Furth-Krimi, „Das Matratzenhaus“, haben Sie vor neun Jahren veröffentlicht. Warum mussten Ihre Leser so lange auf eine Fortsetzung warten?
Weil mir zunächst zwei andere Bücher dazwischengekommen sind: „Katzen, Körper, Krieg der Knöpfe“, ein Band, der meine Zürcher Poetikvorlesungen sowie eine Reihe anderer Vorträge und Reden enthält, und „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“, eine fiktive Erzählung über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, die auch dringend geschrieben werden wollte. Außerdem leiste ich mir nach wie vor den Luxus, nicht nur Romane zu schreiben, sondern am Universitätsklinikum in Tulln in Niederösterreich die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie zu leiten. 

Paulus Hochgatterer© www.corn.at/Deuticke

Wie haben sich Ihre Hauptcharaktere in der Zwischenzeit verändert?
Die beiden sind älter geworden, mit allem, was Älterwerden bedeutet: mehr Gelassenheit in manchen Dingen, in manchen mehr Ungeduld, die Sorgen um Partnerinnen und Kinder haben neue Akzente bekommen, manchmal schläft man schlecht, manchmal schlägt das Herz unrhythmisch. Insgesamt sind Horn und Kovacs aber dieselben geblieben: gelegentlich etwas mürrisch, auch mal ein wenig sentimental, in ihrer Haltung zu den wichtigen Dingen aber immer eindeutig.

Im Rahmen ihres neuen Falls müssen sich Horn und Kovacs mit besonders grausamen Gewalttaten gegen alte Leute befassen. Ein 82-Jähriger wird brutal zusammengeschlagen, eine betagte Ordensschwester fast zu Tode gefüttert. Was können Sie uns über das dunkle Geheimnis verraten, das hinter dieser Anschlagsserie steckt? 
Ich kann verraten, dass die Gewalttaten, die da passieren, mit Dingen zu tun haben, die Kindern widerfahren sind. Es geht um Ereignisse in der Vergangenheit, um ein Kinderheim und um Vergeltung. 

Dann verschwindet eine Grundschülerin und ein ausländer­feindliches Graffito muss kriminaltechnisch untersucht werden. Hängen am Ende alle Straftaten zusammen?
Dass alles zusammenhängt, ist eines der Versprechen, die man gibt, wenn man einen Roman schreibt, der gleichzeitig auch ein Krimi ist. Dieses Versprechen habe ich eingelöst. Die Erkenntnis, dass Dinge zusammenhängen, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet, spielt übrigens in der Geschichte selbst eine wichtige Rolle. 

Was macht die österreichische Provinz zu einem spannenden Romansetting? 
In der Provinz liegen Nähe und Gewalt, Vertrautheit und Fremdenfeindlichkeit, die Idylle und das Böse näher beisammen als in der Großstadt.

Sie erzählen „Fliege fort, fliege fort“ erneut aus der kapitelweise wechselnden Sicht Ihrer Protagonisten. Kommen Sie dank dieser Struktur Ihren Figuren besonders nahe? 
Ja, ich denke schon. Jede der zentralen Figuren hat ihre eigene Perspektive: der Psychiater, der Kommissar, der Entführer, die Sozialpädagogin. Für mich gab es keine Veranlassung, dieses erzählerische Grundprinzip im dritten Teil der Reihe zu ändern. 

Wird es einen weiteren Horn-Kovacs-Roman geben?
Ursprünglich sollte dieses Buch das letzte der Reihe werden. ­Momentan bin ich mir aber nicht mehr so sicher. 

Interview: Alice Werner

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