Interview mit Martin Baltscheit

"Glück ist, das eigene Können auszuschöpfen"

3. März 2022

Brüllen kann er gut, der Löwe. Aber auch schreiben, schwimmen und kochen hat er seit seinem ersten Bilderbuch von 2002 gelernt. Warum Martin Baltscheits liebenswert-egozentrischer Löwe im sechsten Abenteuer nun zum Maler werden will, haben wir seinen Erfinder gefragt.

Martin Baltscheit

Lieber Herr Baltscheit, für seine schöne Löwin tut der Löwe einfach alles, dabei ist er doch eigentlich ein faules Großmaul. Warum ist die Liebe für ihn so wichtig?
Martin Baltscheit: Die Liebe ist das Herz, für das er trommelt. Sie ist Löwenantrieb, und darin ist der Löwe uns Menschen gleich. Wir alle wollen dazugehören, geliebt werden und lieben. Gut, es ist wahr, der Löwe schläft 20 Stunden am Tag, aber immer wieder etwas Neues zu lernen ist auch anstrengend.

In Ihrem neuen Bilderbuch will der Löwe für seine Löwin ein Bild malen. Savanne, Berge, Baum – das klappt doch ­eigentlich prima. Warum gibt es aber dann doch jede ­Menge Verwirrung?
Weil die anderen Tiere denken, sie könnten es besser. Der Vergleich ist ­eigentlich eine gute Idee, um sich zu entwickeln. Alle Künstler stehen auf den Schultern vergangener Meister und Lehrer. Wir alle haben beeindruckende Fähigkeiten, und das schon von ­Geburt an, aber wahr ist auch: Wir können nicht alles von vorn erfinden, nur gemeinsam verbessern wir uns und den Planeten. Hoffentlich. 

Echse, Nilpferd, Schlange oder Mistkäfer – alle haben sie Ideen, wie das perfekte Bild für die Löwin aussehen soll. Das geht dann einmal in ganz unterschiedlichen Stilen durch die Kunstgeschichte. Was kann Kunst ausdrücken, was Worte nicht können?
Kunst drückt wortlos aus. Sie ist Augensprache, die Mutter aller Sprachen. Sie zeigt uns Zustände, Gefühle und Zusammenhänge, für die ein Name allein nicht reicht. Sie durchdringt uns, sie tröstet, motiviert, entspannt, und das oft alles zugleich. Es ist ein Zaubertrank. Wir nehmen Kontakt auf zu einer Welt sprachlosen, zeitlosen, ewigen Staunens. Und: Sie ist nicht festgelegt, ist wie ein Spiegel, jeder erkennt sich selbst darin. 

Anlässlich des 20-jährigen Löwen-­Jubiläums gibt es einen großen Malwettbewerb, bei dem Kinder ihre Selbstporträts einsenden können. Wie kam es zu dieser Idee?
Der Löwe inspiriert seit 20 Jahren zum Schreiben und Lesen. Zeit, dass er seine Leserinnen und Leser für die Kunst begeistert, den Blick auf sich selbst herausfordert! Voller Stolz, Neugier und mit dem Wunsch, sich zu verbessern. Denn auch das ist Glück: Das eigene Können auszuschöpfen. Was bleibt schon am Ende? Geld? Macht? Ruhm? Es ist die Schönheit, die wir empfinden, wenn wir etwas erschaffen; damit erhalten wir die Liebe zu uns selbst und geben weiter, was uns die Welt so lebenswert macht.

Interview: Marion Klötzer

Martin Baltscheit
Die Geschichte vom Löwen, der nicht malen konnte

Beltz & Gelberg, 
40 S., 14,– €, ab 4,
ISBN 978-3-407-75629-9

Male uns ein Bild von dir!

Martin Baltscheit und Beltz & Gelberg feiern den 20. Löwen-Geburtstag mit einem Malwettbewerb im Bilderbuchmuseum Troisdorf. Schickt uns ein Selbstporträt von euch und gewinnt tolle Preise!

Einsendeschluss ist der 3. April 2022.

Teilnahme­bedingungen unter geschichten-vom-loewen.de.

Über den Autor

Martin Baltscheit wurde 1965 in Düsseldorf geboren und studierte Kommunikationsdesign an der Folkwangschule Essen. Seit fast 30 Jahren erzählt er Geschichten: als Comiczeichner, Illustrator, Autor, Regisseur und Sprecher. ­Dafür wurde Baltscheit vielfach ausgezeichnet. Er hat vier Kinder und lebt mit seiner Familie in Düsseldorf.