Belletristik

„Das Leben erscheint wärmer“

Eine Gehirnblutung konfrontiert Martin Simons von einem Tag auf den anderen mit der eigenen Sterblichkeit. Von den „überwältigenden“ ­Wochen zwischen Leben und Tod handelt sein neues Buch.

Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon
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Martin Simons© Teresa Simons

Was ging Ihnen durch den Kopf, als man Ihnen eröffnete, dass Sie eine Hirnblutung hatten, die wie ein „Finger aus Blut“ jederzeit „den Ausschalter“ drücken könne?
Ich war in erster Linie verblüfft. Weder fühlte ich mich krank noch hatte ich Schmerzen. Und trotzdem war es ebenso wahrscheinlich zu überleben wie zu sterben.

Hatten Sie Angst?
Bei manchen Untersuchungen, etwa der Suche nach einem Hirntumor, kam für Momente schon so etwas wie Panik auf. Aber sehr oft habe ich gedacht, falls ich das hier überlebe, war das etwas Großes. Ich bin inzwischen überzeugt, dass die Erfahrung der eigenen Sterblichkeit eine Art seelischer Archetyp ist. Wenn er aktiviert wird, ist das überwältigend.

Wie würden Sie den Unterschied zwischen dem abstrakten Wissen um die eigene Endlichkeit und dem konkreten ­Erfahrungswissen beschreiben?  
Als eine Art Temperaturumschwung. Der Strom des Lebens erscheint mir heute wärmer. Vielleicht, weil eine Art Panzer auf­gebrochen ist. Gleichzeitig steckt mir das Wissen in den ­Knochen, dass der Tod nie weit entfernt ist.

Fehlt Ihnen manchmal Ihre frühere Unbedarftheit im ­Umgang mit dem Tod?  
Nein. Ich glaube, erfahren zu haben, dass wir als Menschen auf unseren eigenen Tod von Natur aus vorbereitet sind. Wenn die Zeit kommt, ist es wohl nicht so schlimm zu sterben. Aber ­natürlich wünsche ich mir ein möglichst langes Leben.

fs

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