Belletristik

Verbotene Lektüre

Der junge Iraker Shams wünscht sich nur ein friedliches Leben, aber dann gerät er ins Visier des Geheimdiensts: Abbas Khiders neuer Roman hat viel mit der Biografie des Autors zu tun. 

Palast der Miserablen
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Abbas Khider© Yves Noir

ls Shams mit seinen Eltern und seiner Schwester aus einem Dorf im umkämpften Südirak in die Hauptstadt Bagdad zieht, hofft er auf eine gute Zukunft. Aber seine Träume zerschlagen sich schnell: Die Familie landet im sogenannten „Blechviertel“ neben einer riesigen Müllhalde, Shams muss als Plastiktütenverkäufer und Busfahrergehilfe arbeiten – und er entdeckt die Literatur.
Daher ist er überglücklich, als er auf eine Gruppe von Literaturfreunden stößt, die in einer Wohnung, dem „Palast der Miserablen“, verbotene Texte lesen. Plötzlich sieht Shams seine Heimat mit ganz anderen Augen: „Der Irak war überhaupt kein normales Land, sondern nur ein Flickenteppich aus Pro­blemen.“ Als Shams’ Familie in schwere Turbulenzen gerät, will Shams mehr Geld verdienen, indem er heimlich illegale Schriften auf dem Markt verkauft – aber dann werden Saddam Husseins Agenten auf ihn aufmerksam.
Abbas Khiders neuer Roman speist sich aus seiner Biografie: Wie Shams fand Khider in Bagdad Halt in der Literatur, war in drei illegalen Literaturzirkeln aktiv. Bücher, sagte der Autor dem Buchjournal, halfen ihm beim Durchhalten: „Die Erfahrung anderer Leidender führt dazu, dass man sich nicht mehr allein fühlt. Das Lesen ist ein Kampf gegen die Einsamkeit.“ Und wie Shams geriet Khider in die Mühlen der Diktatur: Er wurde verhaftet und gefoltert, konnte fliehen und fand schließlich in Deutschland Asyl. Seine Erfahrungen verarbeitet er in seinen Romanen: „Ein Autor zerbricht beim Schreiben zu Scherben, die sich dann in allen Figuren wiederfinden.“
So ist die Geschichte eines jungen Mannes, der die Gefahr erst zu spät erkennt, auch ein Buch über Literatur, über das Schreiben in einer Diktatur, wo jedes Wort das Leben kosten kann. „Es ist eine Dichtung, die von Angst und Revolte geprägt ist“, meint Khider, „ein Spiel mit der Sprache und den Geboten des Teufels.“ Ein Spiel mit hohem Einsatz, das aber, davon ist Khider überzeugt, viel bewirken kann: „Literatur ist die feinste Form des Kampfes gegen das Verbrechen, den Hass und das Vergessen.“ 

Irene Binal

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