Buchcharts – die aktuellen Bestsellerlisten

Literaturnobelpreisträger Gurnah steigt neu ein

15. Dezember 2021

Am 6. Dezember hat Abdulrazak Gurnah die Literaturnobelpreis-Medaille in London erhalten – zwei Tage später ist mit "Das verlorene Paradies" nach langer Abstinenz wieder ein Titel von ihm auf Deutsch erschienen. Dieser ist der höchstplatzierte Neueinsteiger in unseren Charts. Neu dabei ist zudem ein Buch des Journalisten-Paars Petra Gerster und Christian Nürnberger zum Thema Gendern.

Acht der neun Neueinsteiger in dieser Woche

Die Wochencharts

Ermittlungszeitraum: 6. bis 12. Dezember 2021

In der Weihnachtssaison konzentrieren sich die Käuferinnen bei ihren Geschenken offenbar stärker auf die bekannten Bestseller, lediglich neun Titel schaffen es neu in unsere Charts.

In sechs unserer Listen bleiben die Spitzenreiter der vorigen Woche auch diesmal ganz oben:

  • "In ewiger Freundschaft" (Ullstein; ET: 18. November) von Nele Neuhaus (Belletristik HC)
  • "Miss Merkel: Mord in der Uckermark" (Rowohlt Kindler; ET: 23. März) von David Safier (Belletristik PB)
  • "Der Gesang der Flusskrebse" (Heyne; ET: 25. Januar; Ü: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann) von Delia Owens (Belletristik TB)
  • "Pfoten vom Tisch!" (Piper; ET: 30. Juni) von Hape Kerkeling (Sachbuch HC)
  • "Eine für alle" (Fischer Tb., ET: 27. Oktober) von Carola Holzner (Sachbuch PB)
  • "Unnützes Wissen für Potter-Fans – Die inoffizielle Sammlung" (my dna media; ET: 27. August) von Lisa Marie Bopp (Sachbuch TB)

Nur bei den Ratgebern tauschen die ersten beiden Plätze: Auf dem Thron ist diesmal Steffen Henssler mit "Hensslers schnelle Nummer" (Gräfe und Unzer Autorenverlag; ET: 2. März), Vorwoche Platz 2, und von Eins auf Zwei rückt Stefanie Stahls "Das Kind in dir muss Heimat finden" (Kailash; ET: 16. November 2015).

Auch einen Hinweis wert: Bei der Belletristik (Paperback) stehen auf den ersten neun Plätzen die gleichen Titel wie in der Vorwoche.

Platz 13 für Abdulrazak Gurnah

Lange Zeit gab es von Abdulrazak GurnahLiteraturnobelpreisträger 2021, nichts auf Deutsch zu lesen. Noch im Oktober sicherte sich Penguin die deutschen Rechte (siehe Börsenblatt online: "Literaturnobelpreisträger Gurnah auf Deutsch bei Penguin"). Am 8. Dezember ist nun als erstes "Das verlorene Paradies" in der 25 Jahre alten Übersetzung von Inge Leipold wieder erschienen. Passgenau, möchte man sagen, denn am 6. Dezember hat Gurnah in London seine Literaturnobelpreis-Medaille entgegengenommen und seine Lecture gehalten, was in den Medien berichtet wurde. Das hat ihm erneut Aufmerksamkeit beschert. Der Titel, im Original 1994 veröffentlicht, kommt somit neu auf Platz 13 in unsere Belletristikcharts (Hardcover). Ist dort der einzige Neueinsteiger. Zudem ist der der Aufsteiger der Woche (plus 47 Plätze).

Zum Inhalt: Die Handlung spielt um 1900 zur Zeit der deutschen Kolonien in Ostafrika. Yusuf wird von seinem Vater zur Tilgung seiner Schulden dem arabischen Kaufmann Aziz überlassen. Mit diesem geht er auf Handelsexpeditionen nach Gold und Kautschuk, entdeckt das Innere des Kontinents. Gezeigt wird ein "multiethnisches Tansania", so Michael Wurmitzer in "Der Standard", andeutungsreich verweigere sich diese Fülle dem eurozentrischen Blick. Andererseits sei es auch eine Anklage der deutschen Kolonialverbrechen.

Themenwechsel: Wie in jedem Jahr, werden auch diesmal die drei Sissi-Filme mit Romy Schneider zu Weihnachten im Fernsehen ausgestrahlt. Auch in Buchform hat der Stoff Erfolg: "Sisi – Kaiserin wider Willen" (Aufbau Tb.; ET: 6. Dezember; Ü: Gabriele Weber-Jarić) der US-Autorin Allison Pataki schafft es neu auf Platz 18 in die Belletristikcharts (Paperback). Es ist der achte Band in der Reihe "Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe" des Verlags.

Auftritte in TV-Talkshows scheinen den Absatz von Neuerscheinungen zu beflügeln. So waren die Wölckchenbäckerin Güldane Altekrüger (ihre Website) sowie das Journalisten-Ehepaar Petra Gerster und Christian Nürnberger etwa am 3. Dezember zu Gast in der NDR-Talkshow, auch, um ihre neuen Bücher vorzustellen. Die sich dann prompt in unseren aktuellen Wochencharts wiederfinden. Altekrüger, bekannt durch ihre Erfolgs-Reihe "Abnehmen mit Brot und Kuchen", legt mit "Bestseller aus Versehen" (DplusA Verlag; ET: 8. November) ihre Autobiografie vor – und steigt damit neu auf Platz 18 in der Sachbuchliste (PB) ein. Der erste Band von "Abnehmen mit Brot und Kuchen", mittlerweile gibt es drei Teile, ist im November 2018 in Altekrügers eigenem Verlag DplusA erschienen, in dieser Woche kehrt er auf Platz 12 in die Ratgebercharts zurück – ist damit Aufsteiger der Woche (plus 55 Plätze).

Gerster und Nürnberger befassen sich in "Vermintes Gelände – Wie der Krieg um Wörter unsere Gesellschaft verändert" (Heyne; ET: 15. November) mit dem Thema Gendern und Identitätspolitik. Neu auf Platz 14 beim Sachbuch (PB). Gerster erzählt unter anderem von den Reaktionen, Shitstorms, die sie erfahren hat, als sie in den "heute"-Nachrichten zu gendern anfing. "Das Problem vieler Gender-Gegner*innen ist, dass sie sich lieber absurde Beispiele ausdenken, als sich ernsthaft der Frage zu stellen, ob sie sich tatsächlich noch auf der Höhe ihrer Zeit befinden, wenn sie Lehrkräfte einfach weiter 'Lehrer' nennen, auch wenn 75 Prozent von ihnen Frauen und einige auch Transpersonen sind", schreibt sie im ersten Kapitel.

Sinnvolle Winterphasen

"Überwintern. Wenn das Leben innehält" (Insel; ET: 31. Oktober; Ü: Marieke Heimburger) der britischen Autorin Katherine May ist der höchstplatzierte Neueinsteiger bei den Ratgebern – er landet neu auf Platz 22. Winter sei nicht einfach nur eine kalte Jahreszeit, so May. "Auch im Leben kann es Phasen geben, die sich wie Winter anfühlen. Karge Phasen, in denen man sich ausgesondert, ausgeschlossen und ausgebremst fühlt, in eine Außenseiterrolle gedrängt." Etwa durch eine Erkrankung, den Verlust eines geliebten Menschen oder ein Scheitern. Im "Anderswo" laufe alles in einem völlig anderen Tempo ab als im Hier und Jetzt, wo alle ständig immer weitermachen.

Aber Winter- und Ruhephasen würden uns einige der wichtigsten und einsichtsvollsten Momente überhaupt bescheren. Menschen gingen weiser aus ihnen hervor. "All das ist verdammt uncool, und wer die Dinge langsamer angeht, sich mehr unverplante Zeit und mehr Schlaf gönnt, wer sich einfach mal ausruht, handelt heutzutage fast schon radikal – dabei ist genau das doch lebenswichtig", schreibt May. Wir müssten lernen, unsere Winter zuzulassen. Dabei will sie mit ihrem Buch helfen.

Der Link zu den Wochenlisten:

Über die Bestsellerlisten

Die Börsenblatt-Bestsellerlisten basieren auf Verkaufszahlen, die von unserem Kooperationspartner Media Control erhoben werden. Hierzu werden wöchentlich, elektronisch die Verkaufszahlen aus den Warenwirtschaftssystemen von deutschlandweit mehr als 6.550 Verkaufsstellen ausgelesen: Sortimentsbuchhandlungen inklusive eCommerce, Bahnhofsbuchhandel, Kauf- und Warenhäuser sowie Elektro- und Drogeriemärkte. Bezogen auf das Umsatzvolumen bilden die Daten 88 Prozent des gesamten deutschen Buchmarktes ab. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.