Antje Rávik Strubel: BLAUE FRAU

Exakt beschreiben und poetisch träumen

25. November 2021

Antje Rávik Strubel ist für ihr Werk bereits vielfach ­ausgezeichnet worden. Für den Roman „Blaue Frau“ ­erhielt die Autorin jetzt den Deutschen Buchpreis.

Mit „existenzieller Wucht und poetischer Präzision“, so die Jury, werde hier eine Geschichte weiblicher Selbstermächtigung erzählt. Keine Frage, „Blaue Frau“ passt perfekt in die Me-Too-Zeit, ist aber viel mehr als eine Anklageschrift gegen ­toxische Männlichkeit im Kulturbetrieb: ein Europa- und Entwicklungs­roman, eine kluge Reflexion auf das Machtgefälle zwischen Ost und West, zwischen Männern und Frauen, vor allem aber ein Triumph der Sprache.

Lakonisch unterkühlt, behutsam die Worte wägend, dabei emotional aufgewühlt und aufwühlend, erzählt Strubel von einer Frau, die sie selbst hätte sein können. „Slawische Seele, skandinavisches Design“: Wie bei Joan Didion oder Virginia Woolf verschwimmen die Grenzen zwischen Erzählerin und Figur, zwischen exaktem Beschreiben und poetischem Träumen.

Adina fühlt sich in ihrer tschechischen Heimat verloren. Aber als sie nach Berlin, ins gelobte Merkel-Land, flieht, wird sie erst recht ausgebeutet und wird brutal vergewaltigt. Niemand glaubt ihr, niemand hört ihr zu. Erst in Helsinki kann sie sich ihrer ­Geschichte stellen. Adina wird nicht länger davonlaufen. Begleitet von der wehrhaften Aktivistin Kristiina, dem estnischen Diplo­ma­ten Leonides und – aus der Ferne – auch von einer mythisch-mys­te­riösen blauen Frau, nimmt Adina den Kampf auf. Den Kampf ­gegen die alten weißen Männer auf der dunklen Rückseite der ­europäischen Kultur.

MH

Antje Rávik Strubel
Blaue Frau

S. FISCHER, 
432 S., 24,– €,
ISBN 978-3-10-397101-9

Über die Autorin

Antje Rávik Strubel erhielt für ihre Romane schon ­viele Auszeichnungen, ­darunter den Preis der Literatur­häuser 2019 und für „Blaue Frau“ nun den Deutschen Buchpreis 2021. Die Autorin lebt in ­Potsdam.