Buchtipp von Frank Goldammer

Bestechende Erzählweise

24. Juni 2021

Sommer, Sonne, Urlaub und endlich mehr Zeit zum Lesen! Doch welche Bücher gehören in den Urlaubskoffer? Frank Goldammer empfiehlt einen Roman aus dem Ruhrgebiet.

Frank Goldammer

 

Ralf Rothmanns Roman „Junges Licht“ spielt im Ruhrpott der 60er. Julian – ein Junge an der Schwelle zum Erwachsenwerden, alt genug, um die Reize der frühreifen Nachbarin Marusha zu empfangen, zu jung, um sie zu verstehen – erlebt, wie die Ehe seiner strengen, prügelnden Mutter mit dem Vater, einem harten Bergmann, an dessen fleischlicher Schwäche letztlich zerbricht.

Ein Roman, der ohne große Ereignisse auskommt, umso mehr durch seine Erzählweise besticht, die einen in den Bann zieht und mir als Ostdeutschem einen ganz unverhofften und tiefen Einblick in eine mir fremde Welt und Epoche vermittelt und mich Sätze und Passagen lesen lässt, die mich als Autor manchmal vor Neid erblassen lassen. 

Ralf Rothmann
Junges Licht

Suhrkamp, 
236 S., 8,– €,
ISBN 978-3-518-45754-2

Über den Autor

Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist Handwerksmeister und kam schon früh zum Schreiben. „Verlorene Engel“ (dtv) heißt der jüngste Band seiner Nachkriegs-Krimireihe mit Kommissar Max Heller.